Freitag, 30. September 2016

Wie Homo sapiens sie Erde besiedelte.

Melanesier, Papua-Neuguinea
aus nzz.ch, 22.9.2016, 09:24 Uhr

«Out of Africa»
Die wandernden Genome
Wie der moderne Mensch einst von Afrika aus die Erde bevölkerte, ist noch immer unklar. Erbgutanalysen sollen helfen, Licht ins Dunkel zu bringen.

von Stephanie Kusma 

Der anatomisch moderne Mensch, Homo sapiens, ist in Afrika entstanden und hat von dort aus praktisch alle einigermassen bewohnbaren Ecken der Erde besiedelt – darüber ist sich die Wissenschaft im Wesentlichen einig. Doch wie diese Besiedelung genau vonstattengegangen ist, ist unklar. Gleich drei von der wissenschaftlichen Fachzeitschrift «Nature» online veröffentlichte Studien gehen dieser Frage nun mithilfe von Erbgutanalysen nach.¹

Fast 800 Genome 

Insgesamt sequenzierten die drei Arbeitsgruppen unabhängig voneinander sehr gründlich das Erbgut von fast 800 Personen, die zu über 270 verschiedenen Ethnien aus aller Welt gehören. Anhand der Unterschiede in den fein aufgelösten Sequenzen versuchten sie dann nachzuvollziehen, wie eng die einzelnen Genome verwandt sind – miteinander und mit den wenigen Neandertalern und Denisova-Menschen, deren Erbgut man bereits entschlüsselt hat.

Ihre Resultate verglichen sie dann mit den zwei «grossen» Hypothesen zur Auswanderung des Menschen aus Afrika: Die eine geht davon aus, dass der moderne Mensch seinen Mutter-Kontinent vor etwa 40 000 bis 80 000 Jahren verlassen und sich dann einerseits nach Europa und andererseits nach Südostasien hin ausgebreitet hat, wie Joshua Akey von der University of Washington in einem kommentierenden Artikel schreibt. Die andere postuliert eine erste Welle vor ungefähr 120 000 Jahren in Richtung Südostasien und eine zweite, spätere nach Eurasien. 

Eine Welle ohne Spuren? 

Echte Klarheit bringen allerdings auch die neuen Studien nicht. Keine schliesst das Mehrere-Wellen-Modell kategorisch aus. Spuren davon findet aber nur eine – und zwar in Erbgut aus Papua-Neuguinea. Mindestens zwei Prozent davon könnten von einer frühen und grösstenteils ausgestorbenen Besiedelungswelle stammen, schreiben die Forscher.
 
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Dürren unterbrachen die Ausbreitung des Homo sapiens

Sven Titz ⋅ Wie das Klima die Ausbreitung des Menschen über die Kontinente in den letzten 125 000 Jahren beeinflusste, haben jetzt zwei Forscher mit Computersimulationen untersucht. Der Takt der Migrationswellen sei durch Schwankungen der Erdbahn vorgegeben worden, die das Klima verändert hätten, berichten Axel Timmermann und Tobias Friedrich von der University of Hawaii in Honolulu im Forschungsmagazin «Nature»

Besonders drastisch war demnach ein Migrationsstopp während der letzten Eiszeit: Vor ungefähr 71 000 Jahren liess die Kälte gemäss den Simulationen einen Wanderungskorridor im Nordosten Afrikas austrocknen. Erst vor rund 60 000 Jahren war Migration dort wieder möglich. Bekanntlich hat sich der Homo sapiens in Afrika entwickelt. Archäologische und fossile Funde belegen, dass die ersten Gruppen vor 120 000 bis 90 000 Jahren in Richtung Levante und Arabische Halbinsel aufbrachen. Doch die Ausbreitung auf andere Kontinente kam immer wieder zum Erliegen. Forscher vermuten, dass Klimaschwankungen die für Migration günstigen Korridore – etwa weite Flusstäler – abwechselnd ergrünen und vertrocknen liessen. 

Anhand von spärlichen Funden biologischen Ursprungs lässt sich nur schwer rekonstruieren, wie die Umwelt in der Steinzeit aussah. Darum gingen Timmermann und Friedrich anders vor. Sie simulierten die von Veränderungen der Erdbahn ausgelösten Klimaveränderungen am Computer und koppelten an das Klimamodell ein Modell der Vegetation. Die Resultate speisten sie zusammen mit der rekonstruierten Höhe des Meeresspiegels in ein Modell für Wanderungsbewegungen ein. 

Die Autoren der Studie hätten den bisher kompliziertesten Modellansatz verwendet, schreiben Peter deMenocal von der Columbia University in New York und Chris Stringer vom Londoner Natural History Museum in «Nature». Archäologische Ausgrabungen in der Levante würden gut zu den Simulationen passen. Das gilt aber nicht für alle Regionen. Timmermann und Friedrich schreiben, der Homo sapiens könnte Europa schon vor 80 000 Jahren erreicht haben, 35 000 Jahre eher als bisher vermutet. Eine so frühe Migration nach Südeuropa sei schwer mit fossilen und archäologischen Funden zu vereinbaren, monieren deMenocal und Stringer.
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Die beiden anderen Studien entdeckten keine solchen Hinweise. Die eine Gruppe analysierte das Erbgut von Indigenen aus Australien und Papua-Neuguinea. Aus dessen Analyse schliessen die Wissenschafter, dass sich die Wege der von ihnen untersuchten Volksgruppen vor etwa 51 000 bis 72 000 Jahren von jenen der Eurasier trennten und dass die Vorfahren beider in einer Welle aus Afrika ausgewandert waren.

Die andere Gruppe untersuchte Genome, die im Simons Genome Diversity Project sequenziert wurden, und kam ebenfalls zum Schluss, dass zur heutigen genetischen Diversität nur eine Welle «out of Africa» beigetragen hat – was nicht ausschliesst, dass es weitere gegeben haben könnte, die keine Spuren im untersuchten Erbgut hinterliessen. 

Grenzen der Genetik 

Man sei zurzeit methodisch und von der Datenlage her am «genetischen Ereignishorizont» der Ausbreitungsbiologie des Menschen angekommen, konstatiert denn auch Christoph Zollikofer von der Universität Zürich – und sehe noch nicht, was sich hinter diesem verberge.

¹ Nature, Online-Publikationen vom 21. September 2016

Donnerstag, 29. September 2016

Die sogenannte Aggression.

aus nzz.ch,  

Tödliche Aggression
Die tierischen Wurzeln menschlicher Gewalt
Die Bereitschaft, Artgenossen zu töten, scheint im Menschen genetisch verankert zu sein. Kulturelle Faktoren entscheiden jedoch über ihre Umsetzung.

von Katharina Dellai-Schöbi



Die tiefen Frakturen am Schädel lassen nichts Gutes erahnen: Zweimal wurde der junge Frühmensch mit demselben Gegenstand an der Stirn verletzt, dann durch einen 13 Meter tiefen Schacht in eine Höhle geworfen. So zumindest haben Archäologen letztes Jahr die Verletzungen interpretiert, die der rund 430 000 Jahre alte Schädel «Cranium 17» aus der archäologischen Fundstätte Sima de los Huesos im Norden Spaniens aufweist. Die Forscher wollen damit den frühesten bekannten Fall eines gewaltsamen Todes in der Menschheitsgeschichte rekonstruiert haben. Das Töten von Artgenossen scheint also fest im Stammbaum des Menschen verankert zu sein. Ein Forscherteam um José Maria Gómez von der Estación Experimental de Zonas Áridas in Almería ist nun dem evolutiven Ursprung dieser Gewaltbereitschaft auf den Grund gegangen. Ihre Ergebnisse präsentieren sie nun in der Fachzeitschrift «Nature».

Gewaltbereite Primaten

Die Gewalttätigkeit des Menschen beschäftigt die Fachwelt seit Jahrhunderten. Heute sind die Experten einig, dass tödliche Aggression gegenüber Mitmenschen eine kulturelle und eine genetische Komponente hat und entsprechend auch durch die Evolution geprägt worden sein dürfte. Aus diesem Blickwinkel ist die Bereitschaft, Artgenossen zu töten, eine Strategie, den eigenen Fortpflanzungserfolg zu erhöhen: Es wird mit allen Mitteln um Partner oder Nahrung gekämpft, Konkurrenten werden kurzerhand aus dem Weg geräumt.

Um herauszufinden, wie weit eine solche tödliche Gewaltbereitschaft bei Säugetieren verbreitet ist, analysierten Gómez und seine Kollegen publizierte Daten zu mehr als 4 Millionen Todesfällen bei 1024 Säugetierarten und mehr als 600 Populationen des Menschen aus den vergangenen rund 50 000 Jahren. Bei fast 40 Prozent der untersuchten Arten fanden die Wissenschafter Hinweise auf tödliche Aggressionen gegen Artgenossen. In einem weiteren Schritt untersuchten sie dann, ob das Ausmass der menschlichen Gewaltbereitschaft aufgrund unserer Position innerhalb des Stammbaums der Säugetiere zu erwarten ist. Dazu berechneten sie die Gewaltbereitschaft des Menschen anhand jener verwandter Arten.

Die Auswertungen ergaben, dass bei der Gattung Homo – zu der der moderne Mensch, aber auch der Neandertaler gehört – 2 Prozent aller Todesfälle durch Gewalteinwirkung zustande kommen sollten. Dieser Wert hat sich im Lauf der Entwicklungsgeschichte verändert, wie die Analysen weiter zeigten. Bei den ursprünglichsten Säugetieren war er mit weniger als einem Prozent noch tief, um dann bei der Entstehung der Primaten auf 2,3 Prozent anzusteigen. Als sich die ersten Menschenaffen und Menschen entwickelten, sank er wieder auf 1,8 Prozent. Laut den Forschern deutet dies darauf hin, dass die Bereitschaft, Artgenossen zu töten, in der Linie der Primaten tief verankert ist.

Weniger Morde in Staaten

Schliesslich verglichen Gómez und sein Team den anhand des Stammbaums ermittelten Wert mit den Literaturdaten. Wie sich zeigte, war das Ausmass an tödlicher Aggression in den meisten Epochen deutlich höher als erwartet und sank erst in den letzten 500 Jahren unter die 2-Prozent-Marke. Laut Gómez könnten dafür Unterschiede in den soziopolitischen Strukturen (Gruppen von Jägern und Sammlern, Bauerngemeinschaften, Stammesfürstentümer und Staaten) ausschlaggebend sein.

In Stammesfürstentümern sind 14 Prozent der Todesfälle gewaltsam. Laut den Forschern liegt dies daran, dass in diesen Strukturen Konflikte um Territorien, begrenzte Ressourcen oder einen höheren Status häufig sind. Anders sieht es bei Gesellschaften aus, die in Staaten leben. Hier macht der Anteil der absichtlich getöteten Personen deutlich weniger als 2 Prozent aller Todesfälle aus; womöglich, weil die Monopolisierung der legalen Gewaltanwendung durch den Staat die Gewaltbereitschaft verringere, vermuten die Forscher.

Nature, Online-Publikation vom 28. September 2016.

Todesfälle durch Gewalt
aus scinexx

... Wie aber sieht es mit dem Menschen aus? Am Ursprung der Menschheit lag das Ausmaß der innerartlichen Gewalt bei zwei Prozent, wie die Forscher ermittelten. Demnach waren unsere steinzeitlichen Vorfahren noch kaum aggressiver als andere Primaten. "Der Mensch hat seine Neigung zur Gewalt stammesgeschichtlich geerbt", konstatieren Gómez und seine Kollegen. "Er verdankt dies seiner Position in einem besonders gewaltbereiten Ast des Säugetier-Stammbaums."

Unser aggressives Erbe ist jedoch sowohl genetisch als auch sozial bedingt: "Das Sozialverhalten und die Territorialität, die wir mit unseren nächsten Verwandten teilen, haben ebenfalls dazu beigetragen", betonen die Forscher.

Gewaltsprung vor 5.000 Jahren

Im Laufe unserer Kulturgeschichte hat sich dann die Gewaltrate weiter verändert. In der Zeit vor 5.000 bis 3.000 Jahren stieg sie steil auf 15 bis 30 Prozent an, wie Gómez und seine Kollegen berichten. Sie führen dies auf das Aufkommen von Stammesfürsten und größeren Gruppenverbänden zurück. Mit ihnen häuften sich auch Fehden und Kriege.

Erst in der Neuzeit, vor rund 100 Jahren, sind Mord und Totschlag wieder seltener geworden: Heute liegt die Rate tödlicher Gewalt nur noch bei 0,1 Prozent, wie Studien zeigen. Damit liegen wir heute um das rund 200-Fache niedriger als unsere Vorfahren in der Steinzeit. Das belegt eindrücklich, dass auch wir Menschen kein reines Produkt unserer Biologie sind – aggressives Erbe hin oder her. (Nature, 2016; doi: 10.1038/nature19758

(Nature, 29.09.2016 - NPO


Nota. - Man mag es drehen, wie man will: Ein Gutes hat die Zivilisation jedenfalls gebracht - sie hat uns friedlicher gemacht - nachdem die Naturgeschichte uns über Millionen Jahre hin hat mörderischer werden lassen.
JE



Mittwoch, 28. September 2016

Weiß er denn, wie recht er hat?



Der gerade wiedergewählte Fraktionsvorsitzende der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, hat im Tagesspiegel einen Aufsatz veröffentlicht. Darin heißt es ganz am Anfang:

"Aus der Flüchtlingskrise des letzten Sommers ist ein Belastungstest für unsere Demokratie geworden – nicht, weil die Flüchtlinge uns wirklich überfordern würden, sondern weil in der Zeit der Re-Politisierung wieder die Bruchlinien unserer Gesellschaft zum Vorschein getreten sind. Es geht schon mindestens seit Anfang dieses Jahres nicht mehr um die Flüchtlinge, sondern um uns, darum, welches Land wir sein wollen – und welche Parteien dieses Land braucht."

Mit dem weitsichtigen Anfang kann der Rest seines Textes nicht mithalten. Aber der Anfang ist gemacht, das ist viel wert. Die Phalanx der heimattreuen Gartenzwerge nimmt bereits Aufstellung, da wird es höchste Zeit, dass auch die andere Seite sich zu sammeln beginnt. 





Samstag, 24. September 2016

"Durch die Hintertür in eine neue Ära."



Gestern Abend erschien in der Frankfurter Allgemeinen ein bemerkenswerter Beitrag, den ich aus- nahmsweise in ganzer Länge wiedergebe und dabei hoffe, dass die FAZ es mir nachsehen* wird.

aus FAZ.NET,
 
Folgen der Flüchtlingskrise 
Durch die Hintertür in eine neue Ära

Bei der Integration der Flüchtlinge werden die Deutschen über sich hinauswachsen. Doch das Erbe Angela Merkels wird widersprüchlich sein. Ein Bundesland dürfte zum Vorbild werden. Ein Gastbeitrag.
 
von Thomas Schmid 

Als im Herbst 2015 Migranten in hoher Zahl nach Deutschland kamen, reagierte das Land hilfsbereit, aber zunehmend auch nervös. Bald wurde heftig darüber gestritten, ob es verantwortungsvoll war, dass Angela Merkel am 31. August erstmals den später von ihr mehrfach wiederholten Satz sagte: „Wir schaffen das.“ Schnell kam in die Debatten ein Ton der Gereiztheit. Von vielen ihrer ehemaligen Anhänger wurde die Bundeskanzlerin mit einem Etikett versehen, das aus dem Sprachgebrauch einer düsteren Vergangenheit stammte. Sie sei eine „Verräterin“, die eine Politik der „Umvolkung“ betreibe. Umgekehrt wurde die deutsche Regierungschefin für Liberale und Linke plötzlich zu einer politischen Heroine. Die Rollen verrutschten; seither geht im Land die Ahnung um, dass im Herbst 2015 etwas geschah, dessen Folgen noch lange nicht abzusehen sind. Der Ministerpräsident, der sagte, er wünsche, dass Deutschland genauso bleibt, wie es ist, traf schon den Punkt: Deutschland wird nicht genauso bleiben, wie es ist. Wie wird es anders werden?

Helmut Kohl und Angela Merkel als joviale Reiseführer

Ein zeitraffender Blick auf die Entwicklung des Vierteljahrhunderts, das hinter uns liegt, zeigt: Deutschland hat einen großen Magen. Es hat sich in diesen 25 Jahren viel mehr verändert als in den vier davorliegenden Jahrzehnten der „alten“ Bundesrepublik, von der Wiedervereinigung über den Kosovo-Krieg, die Agenda 2010 bis zu zwei Ostdeutschen in höchsten Ämtern der Republik. Bürger, Staat und Parteien haben diesen zum Teil grundstürzenden Wandel erstaunlich gelassen hingenommen und verarbeitet. Nur bei Minderheiten, die AfD eingeschlossen, gibt es das Gefühl, in einer weniger lebenswerten und sicheren Welt zu leben und der eigenen Geschichte und Identität beraubt zu sein.

 
Deutschland hat die neue Ära gewissermaßen durch die Hintertür betreten. Helmut Kohl und die nur darin ihm verwandte Angela Merkel waren als Regierungschefs gut geeignet, die Deutschen ohne Tamtam und Ruckreden als joviale Reiseführer in die neue Zeit zu geleiten, besser: zu begleiten. Der aktuellen Nervosität zum Trotz gibt es wenig Grund, daran zu zweifeln, dass diese Gelassenheit eine deutsche Tugend bleiben wird. Sie liegt in der Größe, der wirtschaftlichen Stärke und der vergleichsweise großen Integrität seiner Institutionen begründet. Deutschland wird 2025 vermutlich so stabil sein wie heute.

Der deutsch-französische Motor steht still

Auf die Probe gestellt wird diese Stabilität aber gleichwohl, von außen und von innen. Was Wolfgang Schäuble einmal salopp unser „Rendezvous mit der Geschichte“ genannt hat, markiert tatsächlich eine Zäsur. Und diese trifft Deutschland als die größte politische Macht Europas besonders. Man kann diese Migrationsbewegung mit europäischer Brille als etwas von außen Kommendes sehen, das es zu unterbinden oder wenigstens zu regulieren gilt. Ein weiterer Blick zeigt, dass damit vermutlich nicht viel gewonnen wäre. Die Tragödien am Südrand des Mittelmeers gehen Europa, gehen Deutschland an. Sie werden, wenn wir nicht zur Besserung beitragen, auch zu unseren Tragödien werden. Wenn Deutschland so bleiben will, wie es ist, wird es nicht mehr möglich sein, künftige Aufgaben als nationale zu verstehen. Deutschland wird die Staaten der EU dafür gewinnen müssen, weitere Schritte in diese Richtung zu tun.

So unumgänglich das ist, so wird es doch aus mehreren Gründen schwer werden. Nur zwei seien genannt. Erstens hat sich Deutschland mit seinen ordnungspolitisch begründeten Interventionen in die Europa- und Europolitik ziemlich unbeliebt gemacht. Deutschland will kein Hegemon, auch kein freundlicher Hegemon, ja nicht einmal ein halber Hegemon sein. Es wird beweisen müssen, dass ihm damit ernst ist. Deutschland kann seine zentrale Rolle in Europa nur spielen, wenn es das im Verbund mit anderen tut. Das aber wird, zweitens, auch deswegen schwer werden, weil der viel beschworene und überhöhte deutsch-französische Motor längst stillsteht und vermutlich auch nicht mehr anspringen wird. Das Europa neuer regionalpolitischer Verantwortung kann kein karolingisches Muster mehr tragen. Im Verbund, aber einsam: Das wird Deutschlands Schicksal in den kommenden zehn Jahren sein. Das erfordert große Kraft im Ausbalancieren. Es kann daraus nur etwas werden, wenn die Europapolitik im Berliner Regierungsviertel, aber auch in den deutschen Staatskanzleien, bei den Parteien und in der öffentlichen Auseinandersetzung endlich Vorrang bekommt.

Sich klein machend, wurde Deutschland wieder groß

Seit Wladimir Putin zu alter Macht- und Geopolitik zurückgekehrt ist, wird immer spürbarer, dass das kurze 20. Jahrhundert in Wahrheit ein langes Jahrhundert war und dass es einschließlich etlicher Restlasten des 19. Jahrhunderts noch immer nicht zu Ende ist. Das europäische Paradox besteht darin, dass in dieser neuen Situation ausgerechnet jenem Land die größte Verantwortung zufällt, das am wenigsten von allen europäischen Ländern auf diese „Rückkehr der Geschichte“ gefasst war: Deutschland. Es wird der Erwartung an die neue Rolle nur gerecht werden können, wenn die Politik dabei nicht an den Bürgern vorbei oder gar gegen sie agiert. Doch darauf sind die Deutschen und ihr politisches Personal nicht gut vorbereitet.

Mental kann man die Gründungs- und die goldenen Jahrzehnte der „alten“ Bundesrepublik als eine Zeit glückhaft erlebter Abkehr von der Geschichte, von der Außenpolitik und von dem Kampf um die eigene Stellung in der Welt beschreiben: Sich klein machend und verstehend, wurde Deutschland wieder groß. Doch auch wenn die Mehrheit der Bürger inzwischen Deutschlands aktivere Rolle in der Welt akzeptiert, fehlt doch weithin das Bewusstsein, dass diese Rolle ausgefüllt sein will und sich das nicht einfach aus dem Gestern und Vorgestern ergibt. Dass es bisher bei diesem Mangel geblieben ist, wird durch die Art erleichtert, wie Deutschland heute regiert wird. Von der Methode, mit der die Bundeskanzlerin seit 2005 tätig ist, geht kein Signal aus. Eines ergibt sich unaufgeregt und wie selbstverständlich aus dem anderen, kein Anfang, kein Ende: Alles fließt. Es geht wie in einer Behörde zu. Passt das zu einem Staat, der sich Größeres wird vornehmen müssen?

Schwindende nationale Souveränität

Nein und ja. Nein, weil gebieterisch mehr als „business as usual“ ansteht. Wird dies im Regierungshandeln wie im öffentlichen Diskurs bestritten oder beschwiegen, kann das ein populäres Unbehagen nähren, möglicherweise mit extremistischen politischen Folgen. Man erklärt die Erfolge der AfD oft mit der vermeintlichen oder tatsächlichen Furcht vieler Bürger vor dem drohenden oder schon eingetretenen Verlust nationaler Souveränität und mit der Verwirrtheit angesichts der neuen globalen Unübersichtlichkeit. Tatsächlich wissen die meisten aber genau, dass es keine Alternative zum Dahinschwinden herkömmlicher nationaler Souveränität gibt und die Unübersichtlichkeit nun einmal da ist.
 
Was aber fehlt, sind beharrliche Versuche, diese Wirklichkeiten zu erklären, ihnen Kontur zu geben. In dieser Kunst ist die Kanzlerin nicht sehr stark, und darin folgen ihr inzwischen auch alle anderen Parteien. Hier tut sich eine Sollstelle auf. Andererseits geht von der Regierungspolitik der unaufgeregten Geschäftigkeit ohne Akzentsetzung auch etwas Beruhigendes aus. In Zeiten, in denen viel getan werden muss, kann man auch viel falsch machen. Eine Haltung, die auf Zeitgewinn, Bestandwahrung und minimale Terraingewinnung setzt, ist da nicht das Schlechteste.

Merkel hat Deutschlands Stellung in der EU gestärkt

Das hat Merkel, obwohl von Gegnern und Konkurrenten umstellt, auf fast unwiderstehliche Weise stark gemacht. Ihre Stärke ist (oder war?) die Schwäche der anderen; der Parteien, die eigene eingeschlossen, vorweg. Es steht nicht zu erwarten, dass man sie, wie alle ihre Vorgänger, abwählen oder aus dem Amt treiben muss. Sie wird aber nach ihrem Abgang eine entkräftete politische Landschaft hinterlassen. Die AfD wird gehen, wie sie gekommen ist. Aber nach ihr wird es die Parteienlandschaft Deutschlands so nicht mehr geben. Angela Merkel hat auf ihre Weise Deutschland auf neue Zeiten und neue Aufgaben vorbereitet. Indem sie aber durch zwei große Koalitionen hindurch nicht zufällig das agonale Prinzip der Demokratie außer Kraft gesetzt hat, schliff sie die Parteienlandschaft ab. Auch eine schwarz-grüne Koalition im Bund würde diesen Aufzehrungsprozess fortsetzen. Sie wird ein weiterer Schritt zur Einebnung der Parteienlandschaft sein. Am Ende könnte die Frage aufkommen, ob das Instrument Partei, von seinen ideologischen Restbeständen gereinigt, in Zukunft noch geeignet ist, Politik zu ermöglichen.

Das Erbe der Bundeskanzlerin wird paradox sein. Trotz aktueller europäischer Turbulenzen, die sich wieder legen werden, hat sie Deutschlands Stellung in der Europäischen Union gestärkt. Sie hat das aber, wie immer, ins allzu Offene hinein getan: ohne eine starke Idee - sieht man von „ihrer“ Stunde im Spätsommer 2015 ab, als sie mit einer humanen Geste deutlich machen wollte, dass wir unsere Politik ändern müssten, wenn wir in einer sich dramatisch verändernden Welt bestehen wollen. Da sie aber beharrlich nicht willens war, darüber hinaus Akzente zu setzen und politische Ideen zu erproben, wird sie auch Ratlosigkeit hinterlassen.

Vorbild Bayern

Das Jahr 2015 hat so gebieterisch wie nie zuvor die Frage der Eingemeindung von Migranten auf die politische Tagesordnung gebracht. In zehn Jahren wird man erkennen können, dass die Deutschen, ihre Institutionen und ihre Politiker in der Lage waren, über sich hinauszuwachsen und bisher kaum Denkbares zu wagen. Ein Indiz dafür war die Geschwindigkeit, mit der Politiker, die vorwiegend Einwanderungsgegner waren, nach dem Herbst 2015 sich dem Neuen geöffnet haben. Binnen kurzer Zeit hatten auch in CDU und CSU die Überfremdungstheoretiker ihre Positionen geräumt und sich an die Arbeit gemacht. In zehn Jahren wird es Bayern sein, dem es so vorbildhaft wie keinem anderen Bundesland gelungen ist, Muslime fordernd in das deutsche Gemeinwesen hinein zu holen, den Islam bavaria-verträglich zu machen und das stark veränderte deutsche Vaterland gleichwohl grundgesetztreu und traditionsbewusst zu bewahren.

Westbindung, Marktwirtschaft, Ostpolitik, Wiedervereinigung: Deutschland hat in den vergangenen 70 Jahren immer wieder bewiesen, dass es fähig ist, große und die Bevölkerung spaltende Probleme dann entschlossen anzugehen, wenn sie erst einmal unabweisbar vor der Tür standen. Dieses Vermögen steht in einem derart krassen Kontrast zum früheren deutschen Machtfundamentalismus, dass die Vermutung naheliegt, dieser Pragmatismus sei die unmittelbare Lehre, die die Deutschen aus ihrer selbstverschuldeten Katastrophe gezogen haben. Wenn dem so wäre, spricht wenig gegen die Annahme, dass Deutschland in der Lage sein wird, die historisch neuen Aufgaben des kommenden Jahrzehnts im letzten Moment pragmatisch zu bewältigen.


Nota. - Ganz so pardox, wie der Autor meint, wird Merkels Erbe wohl doch nicht sein. Er hat seinen Beitrag anscheinend schon vor ihrem denkwürdigen "Die-Zeit-zurückdrehen"-Auftritt geschrieben; da hat sie für die, die es wissen wollten, klargestellt, dass das vor einem Jahr nicht einfach eine Bauch- oder Herzensentscheidung war - oder, wenn sie es zunächst vielleicht doch gewesen sein sollte, nicht geblieben ist -, sondern eine Option für die Zukunft.

Und so erscheint rückblickend auch ihr Verhalten in der griechischen Schuldenaffäre nicht bloß als ein Hinterhertrippeln hinter einem verbissen sparsamen Kämmerer, sondern als der Entschluss, für Europa eine weitblickende Verantwortung zu übernehmen. Das ist das eigentlich Bemerkenswerte an Merkels Politik der letzten zwei Jahre.
JE

*) Andernfalls bitte ich um Nachricht hier auf diesem Blog. JE 



Freitag, 23. September 2016

"Das müsste Deutschland sein, gar keine Frage."



Der Wiener Standard bringt heute ein Interview mit dem österreichischen Bundekanzler Christian Kern. Dessen Amstvorgänger Faymann (kenn'se noch?) hatte vor just einem Jahr Geschichte geschrieben, als er mit seiner deutschen Kollegin beschloss, für die in Ungarn gestrandeten Flüchtlinge die Grenze zu öffnen. Aber die rechte FPÖ krakeelte, seinem christlichsozialen Koalitionspartner wurden die Knie weich, da fürchtete er um seinen Posten, machte kehrt und führte so die FPÖ bis an die Schwelle der Hofburg. Da hatte er seinen Posten doch verloren und sein Gesicht gleich mit, und heute wünscht er wohl, er könnte die Zeit zurückdrehen...

Sein Nachfolger Kern muss die Scherben aufsammeln, da eiert er rum, aber in dem entscheidenden Punkt hatte er wohl eine Erleuchtung: Der einzig mögliche Weg ist der, den Frau Merkel vorgegeben hat.


STANDARD: Wie wollen Sie die EU-Partner, die sich bisher weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, davon überzeugen, sich zumindest finanziell zu beteiligen?

Kern: Das ist schwierig, aber ganz ehrlich: Wenn wir dieses Problem nicht lösen können, dann stellt sich das europäische Projekt, das auf Solidarität und Gemeinsamkeit aufgebaut ist, selbst infrage. Das Problem ist so groß, dass sich niemand seiner Verpflichtung entziehen darf. Das wäre auf Dauer nicht akzeptabel. Österreich hat seine Möglichkeiten ausreichend ausgeschöpft. Wir stehen nicht vor einem Problem, das heuer vorbei sein kann, sondern es ist ein Generationenproblem.

STANDARD: Welche EU-Partner werden am ehesten auf diesen Zug aufspringen oder gar Lokomotive spielen?

Kern: Das müsste Deutschland sein, gar keine Frage. Die Bereitschaft dazu ist dort eindeutig vorhanden. Mit Sicherheit dabei sind auch die Italiener und die Franzosen. Das Problem ist aber, dass der Leidensdruck in Europa – noch – unterschiedlich verteilt ist. Man muss aber auch Partner außerhalb der EU finden, die beitragen können, solche Projekte durchzuführen. Zwischen dem Design und der Ausführung eines solchen Programms gibt es natürlich einen großen Unterschied.

STANDARD: Wie wollen Sie die EU-Partner, die sich bisher weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, davon überzeugen, sich zumindest finanziell zu beteiligen? Kern: Das ist schwierig, aber ganz ehrlich: Wenn wir dieses Problem nicht lösen können, dann stellt sich das europäische Projekt, das auf Solidarität und Gemeinsamkeit aufgebaut ist, selbst infrage. Das Problem ist so groß, dass sich niemand seiner Verpflichtung entziehen darf. Das wäre auf Dauer nicht akzeptabel. Österreich hat seine Möglichkeiten ausreichend ausgeschöpft. Wir stehen nicht vor einem Problem, das heuer vorbei sein kann, sondern es ist ein Generationenproblem. STANDARD: Welche EU-Partner werden am ehesten auf diesen Zug aufspringen oder gar Lokomotive spielen? Kern: Das müsste Deutschland sein, gar keine Frage. Die Bereitschaft dazu ist dort eindeutig vorhanden. Mit Sicherheit dabei sind auch die Italiener und die Franzosen. Das Problem ist aber, dass der Leidensdruck in Europa – noch – unterschiedlich verteilt ist. Man muss aber auch Partner außerhalb der EU finden, die beitragen können, solche Projekte durchzuführen. Zwischen dem Design und der Ausführung eines solchen Programms gibt es natürlich einen großen Unterschied. - derstandard.at/2000044795966/Bundeskanzler-Kern-Orbans-Politik-der-Grenzsperren-verstaendlich
STANDARD: Wie wollen Sie die EU-Partner, die sich bisher weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, davon überzeugen, sich zumindest finanziell zu beteiligen? Kern: Das ist schwierig, aber ganz ehrlich: Wenn wir dieses Problem nicht lösen können, dann stellt sich das europäische Projekt, das auf Solidarität und Gemeinsamkeit aufgebaut ist, selbst infrage. Das Problem ist so groß, dass sich niemand seiner Verpflichtung entziehen darf. Das wäre auf Dauer nicht akzeptabel. Österreich hat seine Möglichkeiten ausreichend ausgeschöpft. Wir stehen nicht vor einem Problem, das heuer vorbei sein kann, sondern es ist ein Generationenproblem. STANDARD: Welche EU-Partner werden am ehesten auf diesen Zug aufspringen oder gar Lokomotive spielen? Kern: Das müsste Deutschland sein, gar keine Frage. Die Bereitschaft dazu ist dort eindeutig vorhanden. Mit Sicherheit dabei sind auch die Italiener und die Franzosen. Das Problem ist aber, dass der Leidensdruck in Europa – noch – unterschiedlich verteilt ist. Man muss aber auch Partner außerhalb der EU finden, die beitragen können, solche Projekte durchzuführen. Zwischen dem Design und der Ausführung eines solchen Programms gibt es natürlich einen großen Unterschied. - derstandard.at/2000044795966/Bundeskanzler-Kern-Orbans-Politik-der-Grenzsperren-verstaendlichSTANDARD: Wie wollen Sie die EU-Partner, die sich bisher weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, davon überzeugen, sich zumindest finanziell zu beteiligen? Kern: Das ist schwierig, aber ganz ehrlich: Wenn wir dieses Problem nicht lösen können, dann stellt sich das europäische Projekt, das auf Solidarität und Gemeinsamkeit aufgebaut ist, selbst infrage. Das Problem ist so groß, dass sich niemand seiner Verpflichtung entziehen darf. Das wäre auf Dauer nicht akzeptabel. Österreich hat seine Möglichkeiten ausreichend ausgeschöpft. Wir stehen nicht vor einem Problem, das heuer vorbei sein kann, sondern es ist ein Generationenproblem. STANDARD: Welche EU-Partner werden am ehesten auf diesen Zug aufspringen oder gar Lokomotive spielen? Kern: Das müsste Deutschland sein, gar keine Frage. Die Bereitschaft dazu ist dort eindeutig vorhanden. Mit Sicherheit dabei sind auch die Italiener und die Franzosen. Das Problem ist aber, dass der Leidensdruck in Europa – noch – unterschiedlich verteilt ist. Man muss aber auch Partner außerhalb der EU finden, die beitragen können, solche Projekte durchzuführen. Zwischen dem Design und der Ausführung eines solchen Programms gibt es natürlich einen großen Unterschied. - derstandard.at/2000044795966/Bundeskanzler-Kern-Orbans-Politik-der-Grenzsperren-verstaendlich

STANDARD: Wie wollen Sie die EU-Partner, die sich bisher weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, davon überzeugen, sich zumindest finanziell zu beteiligen? Kern: Das ist schwierig, aber ganz ehrlich: Wenn wir dieses Problem nicht lösen können, dann stellt sich das europäische Projekt, das auf Solidarität und Gemeinsamkeit aufgebaut ist, selbst infrage. Das Problem ist so groß, dass sich niemand seiner Verpflichtung entziehen darf. Das wäre auf Dauer nicht akzeptabel. Österreich hat seine Möglichkeiten ausreichend ausgeschöpft. Wir stehen nicht vor einem Problem, das heuer vorbei sein kann, sondern es ist ein Generationenproblem. STANDARD: Welche EU-Partner werden am ehesten auf diesen Zug aufspringen oder gar Lokomotive spielen? Kern: Das müsste Deutschland sein, gar keine Frage. Die Bereitschaft dazu ist dort eindeutig vorhanden. Mit Sicherheit dabei sind auch die Italiener und die Franzosen. Das Problem ist aber, dass der Leidensdruck in Europa – noch – unterschiedlich verteilt ist. Man muss aber auch Partner außerhalb der EU finden, die beitragen können, solche Projekte durchzuführen. Zwischen dem Design und der Ausführung eines solchen Programms gibt es natürlich einen großen Unterschied. - derstandard.at/2000044795966/Bundeskanzler-Kern-Orbans-Politik-der-Grenzsperren-verstaendlichSTANDARD: Wie wollen Sie die EU-Partner, die sich bisher weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, davon überzeugen, sich zumindest finanziell zu beteiligen? Kern: Das ist schwierig, aber ganz ehrlich: Wenn wir dieses Problem nicht lösen können, dann stellt sich das europäische Projekt, das auf Solidarität und Gemeinsamkeit aufgebaut ist, selbst infrage. Das Problem ist so groß, dass sich niemand seiner Verpflichtung entziehen darf. Das wäre auf Dauer nicht akzeptabel. Österreich hat seine Möglichkeiten ausreichend ausgeschöpft. Wir stehen nicht vor einem Problem, das heuer vorbei sein kann, sondern es ist ein Generationenproblem. STANDARD: Welche EU-Partner werden am ehesten auf diesen Zug aufspringen oder gar Lokomotive spielen? Kern: Das müsste Deutschland sein, gar keine Frage. Die Bereitschaft dazu ist dort eindeutig vorhanden. Mit Sicherheit dabei sind auch die Italiener und die Franzosen. Das Problem ist aber, dass der Leidensdruck in Europa – noch – unterschiedlich verteilt ist. Man muss aber auch Partner außerhalb der EU finden, die beitragen können, solche Projekte durchzuführen. Zwischen dem Design und der Ausführung eines solchen Programms gibt es natürlich einen großen Unterschied. - derstandard.at/2000044795966/Bundeskanzler-Kern-Orbans-Politik-der-Grenzsperren-verstaendlich
STANDARD: Wie wollen Sie die EU-Partner, die sich bisher weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, davon überzeugen, sich zumindest finanziell zu beteiligen? Kern: Das ist schwierig, aber ganz ehrlich: Wenn wir dieses Problem nicht lösen können, dann stellt sich das europäische Projekt, das auf Solidarität und Gemeinsamkeit aufgebaut ist, selbst infrage. Das Problem ist so groß, dass sich niemand seiner Verpflichtung entziehen darf. Das wäre auf Dauer nicht akzeptabel. Österreich hat seine Möglichkeiten ausreichend ausgeschöpft. Wir stehen nicht vor einem Problem, das heuer vorbei sein kann, sondern es ist ein Generationenproblem. STANDARD: Welche EU-Partner werden am ehesten auf diesen Zug aufspringen oder gar Lokomotive spielen? Kern: Das müsste Deutschland sein, gar keine Frage. Die Bereitschaft dazu ist dort eindeutig vorhanden. Mit Sicherheit dabei sind auch die Italiener und die Franzosen. Das Problem ist aber, dass der Leidensdruck in Europa – noch – unterschiedlich verteilt ist. Man muss aber auch Partner außerhalb der EU finden, die beitragen können, solche Projekte durchzuführen. Zwischen dem Design und der Ausführung eines solchen Programms gibt es natürlich einen großen Unterschied. - derstandard.at/2000044795966/Bundeskanzler-Kern-Orbans-Politik-der-Grenzsperren-verstaendlichSTANDARD: Wie wollen Sie die EU-Partner, die sich bisher weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, davon überzeugen, sich zumindest finanziell zu beteiligen? Kern: Das ist schwierig, aber ganz ehrlich: Wenn wir dieses Problem nicht lösen können, dann stellt sich das europäische Projekt, das auf Solidarität und Gemeinsamkeit aufgebaut ist, selbst infrage. Das Problem ist so groß, dass sich niemand seiner Verpflichtung entziehen darf. Das wäre auf Dauer nicht akzeptabel. Österreich hat seine Möglichkeiten ausreichend ausgeschöpft. Wir stehen nicht vor einem Problem, das heuer vorbei sein kann, sondern es ist ein Generationenproblem. STANDARD: Welche EU-Partner werden am ehesten auf diesen Zug aufspringen oder gar Lokomotive spielen? Kern: Das müsste Deutschland sein, gar keine Frage. Die Bereitschaft dazu ist dort eindeutig vorhanden. Mit Sicherheit dabei sind auch die Italiener und die Franzosen. Das Problem ist aber, dass der Leidensdruck in Europa – noch – unterschiedlich verteilt ist. Man muss aber auch Partner außerhalb der EU finden, die beitragen können, solche Projekte durchzuführen. Zwischen dem Design und der Ausführung eines solchen Programms gibt es natürlich einen großen Unterschied. - derstandard.at/2000044795966/Bundeskanzler-Kern-Orbans-Politik-der-Grenzsperren-verstaendlich

Donnerstag, 22. September 2016

Merkel hat den Bundestagswahlkampf eröffnet.



aus der heutigen FAZ:

"...Peter Radunski, Helmut Kohls Wahlstratege, sieht in Merkels Stellungnahme die Eröffnung des nächsten Bundestagswahlkampfs. Keineswegs habe sie Fehler eingeräumt. Sie werde ihre Flüchtlingspolitik zur Wahl stellen und habe Aussichten, damit zu gewinnen. Die SPD muss sich also darauf gefasst machen, dass 2017 die asymmetrische Mobilisierung anders aussehen könnte: Merkel wirbt um Zustimmung der SPD-Stammwähler. Sigmar Gabriel steckt in einer Zwickmühle.

Radunski konzediert, Merkel habe ihre Art zu sprechen geändert. Das ist der entscheidende Punkt. Sie kann nämlich tatsächlich auch anders. ..."

Wenn die Rechnung aufgehen soll, muss sie aber erstmal in ihrem eignen Laden aufräumen. Da kann ich ihr nur die Daumen drücken. 
JE






Dienstag, 20. September 2016

Merkels Eingeständnis.


 
"Wenn ich könnte, würde ich die Zeit zurückdrehen", so titeln heut auch seriöse Blätter. Ungewohnt demütig, Selbstkritik, Eingeständnis von Fehlern. Was hat sie eingestanden? Dass wir Deutschen nicht gerade Weltmeister in Sachen Integration waren und die Dimension des Flüchtlingsproblems lange unterschätzt haben. Aber sie hat im letzten Moment doch noch das Nötige getan und das Ruder herumgeworfen. Sie macht ihren Standpunkt verständ- licher, indem sie ihn zuspitzt. 

So soll es sein.



Auch die Neanderthaler kannten schon Schmuck.

aus derStandard.at, 19. September 2016, 18:49   Vermutlich von Neandertalern der archäologischen Kultur des Châtelperronien hergestellter Körperschmuck aus der Grotte du Renne in Arcy-sur-Cure

Neandertaler machten vermutlich doch schon Schmuck
Neue Methoden bestätigten ältere Vermutungen: Forscher konnten in Frankreich mehr als 33.000 Jahre alte Knochen und Artefakte unseren ausgestorbenen Verwandten zuordnen

von

Leipzig/Wien – Für die Beantwortung der Frage, warum die Neandertaler ausstarben, ist das sogenannte Châtelperronien von entscheidender Bedeutung. Das ist eine archäologische Kultur am Übergang von der Mittel- zur Jungsteinzeit, die vor etwa 38.000 bis 33.000 Jahren in Spanien und Teilen Frankreichs existierte. Das große Rätsel rund um die Châtelperronien-Kultur ist ihre Urheberschaft: War das schon der moderne Mensch oder doch noch der Neandertaler?
 
Trotz intensiver Recherchen fand man an den wichtigsten Grabungsorten bis jetzt keine genetischen Hinweise auf Neandertaler. Ein internationales Forscherteam um Jean-Jacques Hublin (Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig) ließ nicht locker und machte sich unter anderem aktuelle Entwicklungen auf dem Gebiet der Proteinanalyse zunutze, um mit einem Arsenal von neuen Methoden die Frage nach den Châtelperronien-Urhebern zu klären.

Paläobotanik und Paläogenetik
 
Zunächst ermittelten die Forscher mittels "Peptide Mass Fingerprinting", dass 28 Proben aus einer dem Châtelperronien zugeordneten Sedimentschicht in der Grotte du Renne im nördlichen Zentralfrankreich menschliche Reste enthielten. Durch die Kombination von Methoden aus der Paläoproteomik und der Paläogenetik konnten sie schließlich feststellen, dass die gefundenen Knochenfragmente von einem einzelnen noch nicht abgestillten Neandertalersäugling stammten.
Mit dieser Studie, die im Fachblatt PNAS erschien, konnte Erstautor Frido Welker und seine Kollegen somit erstmals allein mithilfe der Paläoproteomik – also anhand der Bestimmung von Protein-Aminosäure-Sequenzen – zwischen verschiedenen jungsteinzeitlichen Gruppen innerhalb unserer Gattung unterscheiden.
 
Urheber des Schmucks geklärt
 
Damit nicht genug: Mittels Radiokarbondatierung konnten die Forscher zudem belegen, dass die Urmenschen-Proben zeitlich zu den fortschrittlichen Artefakten des Châtelperroniens passen, die auch Schmuckstücke umfassen. Damit scheint nun bestätigt, dass Neandertaler für die Herstellung einiger Artefakt-Typen verantwortlich waren, deren Fertigung man bislang nur dem modernen Menschen zugetraut hatte. 

Montag, 19. September 2016

Sie knickt nicht ein, und das ist gut so.



aus FAZ.NET, 19. 9. 2016

...
Das schlechte Abschneiden der CDU habe wohl auch mit ihrer Flüchtlingspolitik zu tun, in der die Regierung, aber auch sie selbst in der Vergangenheit „nicht alles richtig gemacht“ hätten. „Wir waren nicht gerade Welt- meister bei der Integration und haben zu lange gewartet, bevor wir uns der Flüchtlingsfrage genähert haben.“ Auch sie selbst habe sich „zu lange auf das Dublin-Verfahren verlassen“, fügt Merkel hinzu. „Wenn ich könnte, würde ich die Zeit zurückdrehen, damit Deutschland besser auf die Entwicklungen vorbereitet gewesen wäre.“ Sie werde dafür kämpfen, dass eine solche Krise nicht mehr passieren könne. „Die Wiederholung der Situation will niemand, auch ich nicht.“ ...

Meine Politik ist grundsätzlich richtig – es ist diese Botschaft, die Merkel auch an diesem Montag verkündet. Dass es noch mit der richtigen Umsetzung hapert, dafür macht die Kanzlerin vor allem die fehlende Solidarität in der EU verantwortlich. Diese sei „derzeit nicht gut verfasst“. „Wir haben in Europa noch immer kein ge- meinsames Verständnis davon, die Flüchtlingskrise als das zu erkennen, was sie ist: als globale und moralische Herausforderung. Daraus müssen wir in Europa die notwendigen Schlussfolgerungen tun.“ ...

Nach zwei schmerzhaften Wahlniederlagen in Folge hat Merkel am Montag einstweilen das vollzogen, was mancher in der CDU sich zuletzt so gewünscht hat: Sie versucht in die Offensive zu gehen und die Deutungs- hoheit wiederzuerlangen.






Sonntag, 18. September 2016

Berliner Zugluft.


LAGeSo Berlin

Die abgewählte Koalition hat ihr Desaster redlich verdient. Dass der Normalberliner denen mal ordentlich eins auf Dach geben wollte, ist allzu verständlich und es wundert nur, dass es nicht dicker gekommen ist. Dass ein profilloser Haufen wie die AfD davon profitiert hat, ist ärgerlich, ist aber immer noch besser, als wenn es nicht passiert wäre.

Trotz allen gehässigen Zanks um Kinkerlitzchen (und um klitzekleine Posten) gab es in der zwanghaften Konsens- republik in Wahrheit gar nichts zu entscheiden; nichts, vorüber zu streiten sich gelohnt hätte. Das ist heute anders, und dass es der AfD zugute kommt, verdanken wir niemand anders als CDU und SPD.

Da die Gartenzwerg-Wähler
sie nun verlassen haben, wäre es an der Zeit, dass sie ihnen ihre Gartenzwerg-Funkti- onäre* hinterherschickten. Dass sie sich stattdessen in traulichem Anti-AfD-Konsens zusammenfinden, lässt das Schlimmste befürchten und könnte der Eintagsfliege eine unverdiente Überlebensdauer bescheren.

Ist es wirklich erst nötig, dass die übellaunigen Wutbürger sie aus so manchem Sessel jagen und ihnen die Fleisch- töpfe streitig machen, damit sie sich entschließen, Politik wenigstens dann zu machen, wenn sie sich ihnen aufdrängt?

Na, wenn es so sein muss, dann muss es wohl sein.


 

*) Muss man daran erinnern, dass es Sozialsenator Czaja und Innensenator Henkel von der CDU sind, die dafür verantwortlich waren, dass nirgends in Deutschland - und schon gar nicht in Bayern - die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung so erfolgreich sabotiert wurde wie in Berlin?


 

Samstag, 17. September 2016

Wenn ich die Wahl hätte.


 
Diesmal bin ich wirklich in Verlegenheit. Morgen soll ich irgendwo mein Kreuz machen. Vor vier Jahren ging's mir gut, ich wusste, wen ich wählen konnte und sogar, dass meine Stimme diesmal nicht verloren sein würde. Dass den Piraten (wissense noch?) ein zu früher Erfolg nicht gut tun könnte, ahnte ich schon - aber nicht, dass es so verhee- rend kommen würde. Na, Schwamm drüber.

Müsste ich nur den hiesigen Dorfschulzen wählen, hätt ich's leicht, es käme nur DIE PARTEI von Herrn Sonneborn in Frage. Doch unser Dorfschulz ist ein Landesministerpräsident, der darf im Bundesrat abstimmen. Und Posemuckel ist jetzt Hauptstadt, wie sollte da meine Stimme kein bundespolitisches Gewicht haben?

Bundespolitisch wär ich fein raus. Da würde ich ganz ungeniert Liste Merkel wählen, und ich bin guter Hoffnung, dass die im Lauf des kommenden Jahres schon noch zustande kommen wird. Aber morgen in Berlin? Da käme die CDU mit Herrn Lageso-Czaja ja nun schonmal gar nicht in Frage, und - trotz Martin Schulz - Lieschen Müllers Sozialdemokraten noch weniger. Aber meine Stimme wegwerfen kann ich auch nicht, ich bin ja kein politikver- drossener Wutbürger - und für die gibt's ja längst eine Alternative. Ich werd es noch einmal überschlafen müssen.

Den Gedanken an eine Liste Merkel im nächsten Jahr werde ich aber weiter hegen. Ach nein, nicht Willkommens- kultur und Gutmenschelei. Aber sie hat in einem Moment, in dem es drauf ankam und ein Kanzler durch Kleinmut die Zukunft Europas und die Stellung Deutschlands in der Welt leicht nachhaltig hätte kompromittieren können, das Richtige getan, sie hat vor allem begriffen, dass sie das Richtige nicht von den Sichtfliegern in den andern Haupt-städten abhängig machen durfte und hat gottlob darauf verzichtet, vorher "ein paar Telefongespräche zu führen". Sie hat begriffen: Wenn Deutschland in Europa nicht führt, dann tut es keiner, und die Sache geht den Bach runter.

Weil wir zur Zeit hier die Stärksten sind, müssen wir uns was leisten können, wie soll man uns sonst ernstnehmen? Und einknicken, bloß weil mal ein frisches Lüftchen weht, geht gar nicht. Wenn es wirklich hart auf hart kommt, kann es passieren, dass man unterliegt, aber wenn man vorher gekniffen hat, obwohl man im Recht war, wird einen hinterher keiner zurückrufen wollen, und der Karren rollt ungebremst gegen die Wand, und es gibt eine großen Rumms.


Frau Merkel und Herr Schulz sollen sich in ihrem respektiven Lagern von den Postenjäger und den Gartenzwergen freimachen und ihnen nicht erlauben, Deutschland kleinzuhalten, als wär's die Schweiz. Die beiden Dinosaurier lähmen nur noch. Sie sind ein wirkliches Hindernis geworden. Es geht um eine Option auf lange Sicht. Da ist es nicht bloß statthaft, sondern erforderlich, sich die Mühlsteine vom Hals zu schaffen. So viel Zeit ist auch nicht mehr bis zur nächsten Bundestagswahl.
 

Als Anfang könnten sie sich ja schonmal von der CSU trennen. Dann müsste sich die CSU wohl oder übel auf ganz Deutschland ausdehnen, und die AfD wären wir los. Dass der Platz, den die CDU rechts frei macht, ausgefüllt werden muss, ist ja wahr, und bei der CSU weiß man, was man hat. Bei AfD und dergl. muss man auf alles gefasst sein und kann man nichts erwarten. 


Freitag, 16. September 2016

Endlich in die Offensive gehen!


 aus FAZ.NET, 15. 9. 2016

Interview mit Heiner Geißler

... Und die CDU muss endlich als Partei von der Defensive in die Offensive kommen und ihre Gegner, in diesem Fall auch die Führung der Schwesterpartei, angreifen. Die CSU-Führung befindet sich auf derselben geistigen Ebene wie die Orban-Partei in Ungarn und die Kaczynski-Partei in Polen. So etwas ist für die CDU absolut indiskutabel.

Und Merkel selbst, was muss sie tun?

Eine solche Offensive muss von der CDU als Partei geführt werden und ist Aufgabe des Generalsekretärs sowie der übrigen Parteiführung. Die Kanzlerin ist Chefin der Bundesregierung, die von einer Koalition gebildet wird, auf die sie und das Kanzleramt Rücksicht nehmen muss. 

Die eigentliche Auseinandersetzung muss geführt werden über die Frage, ob die Gegner dieses politischen Kurses sich bewusst sind, dass die Flucht von über 60 Millionen Menschen eine globale und moralische Herausforderung ist. Nicht alle europäischen Staaten haben dies verstanden. In Deutschland gibt es politische Kräfte, die Zuflucht suchen in der heilen Welt von vorgestern und den mystischen Leib der Nation verherr-lichen. 

In der Flüchtlingsfrage entscheidet sich, ob die Deutschen auch in der Zukunft der Globalisierung noch eine politische und ökonomische Rolle spielen können.


Nota. - Geißler tut den Gartenzwergen zu viel der Ehre. Die tun nur so, als ob sie den mystischen Leib der Nation verherrlichten. In Wahrheit verherrlichen sie ihre Schrebergärten und wollen Deutchland kleinhalten..
JE







Donnerstag, 15. September 2016

Deutschland könnte einmal den Spieß umdrehen...




aus FAZ.NET, 15. 9. 2016

"... Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), hat heftige Kritik an der Haltung mittelosteuropäischer EU-Mitgliedsländer in der Flüchtlingspolitik geübt. Während Deutschland bereit gewesen sei, große Lasten zu tragen, werde es von anderen im Stich gelassen, sagte Schulz der F.A.Z.

Er widersprach dem Vorwurf, Deutschland habe „moralischen Imperialismus“ ausgeübt. „Die Bundesregierung hat nicht die Moralkeule geschwungen, sondern sie hat etwas anerkannt. Deutschland ist das größte EU-Land und muss auch die größte Last tragen“, sagte Schulz der F.A.Z. Anders gehe es nicht. „Im Gegenzug wird es aber im Stich gelassen.“ Ausdrücklich nahm Schulz die Bundeskanzlerin in Schutz: Was Angela Merkel vor einem Jahr gesagt habe, „war richtig“.

In dem Gespräch mit der F.A.Z. drohte der Präsident des Europäischen Parlaments indirekt damit, dass Deutschland einmal den Spieß umdrehen könne. Denn es trage „enorme Lasten“ bei der Unterstützung der Länder, die sich weigerten, Flüchtlinge aufzunehmen. Die Bundesrepublik habe in der Situation das Recht, zu sagen: „Dann müssen wir mal insgesamt über die Europapolitik und über die Lastenverteilung reden.“ Die 17 Milliarden Euro, die zum Beispiel Polen jedes Jahr netto aus dem EU-Haushalt erhalte, „werden mitfinanziert von den hart arbeitenden Leuten in Deutschland“, so Schulz zur F.A.Z. ..."

Darüberhinaus erninnerte Schulz daran, dass die osteuropäischen Länder, die sich von Russland bedroht fühlen, sich ganz zu Recht auf die selbstverständliche Solidarität Deutschland verlassen hätten.