Donnerstag, 19. Oktober 2017

Der Niedergang des Ptolemäerreichs.

Hans Makart. Tod Kleopatras
aus derStandard. at, 17. Oktober 2017, 19:34

Neue Theorie zum Niedergang des Ptolemäerreichs
Mit Kleopatra endete die Herrschaft der Ptolemäer in Ägypten. Eine klimahistorische Studie wirft neues Licht darauf, wie es dazu kam – und warnt vor heutigen Gefahren

von

New Haven – Mit dem Selbstmord der legendären Königin Kleopatra VII. im Jahr 30 vor unserer Zeitrechnung ging auch das große Ptolemäerreich zu Ende. Fast 300 Jahre lang hatte die makedonisch-griechische Dynastie im alten Ägypten geherrscht und für etliche architektonische Großtaten gesorgt – wie den Leuchtturm und die Bibliothek von Alexandria.

Dennoch rebellierte die alexandrinische Bevölkerung immer wieder gegen die Herrschaft, was unter den ägyptischen Pharaonen undenkbar gewesen wäre. Diese inneren Konflikte, die bis jetzt vor allem mit wirtschaftlichen Faktoren und politischen Fehlentscheidungen erklärt wurden, trugen maßgeblich dazu bei, dass die Ptolemäer ihr Großreich allmählich einbüßten, ehe das alte Ägypten nach dem Tod Kleopatras zur römischen Provinz abstieg.

Nur die Hälfte der Geschichte

Doch das ist laut der neuen Untersuchung eines internationalen Forscherteams um den Althistoriker Joseph Manning (Yale University) nur die halbe Wahrheit. Manning und seine Kollegen – darunter Umwelthistoriker und Klimaforscher – haben die detaillierten historischen Aufzeichnungen zu den wirtschaftlichen Krisen zum einen mit den Daten über die Nilüberschwemmungen in dieser Zeit verglichen und fanden dabei auffällige Koinzidenzen.


Blieb das Hochwasser im Sommer aus, vertrocknete das Land rings um den Nil; Ackerbau war nur eingeschränkt möglich. In solchen Jahren gab es mehr Unruhe in Form von Volksaufständen, gegen die mit priesterlichen Dekreten vorgegangen wurde. Kriege mit Nachbarstaaten wurden in diesen Jahren häufiger beendet, brachen aber auch seltener aus.

Warum blieb das Hochwasser aus?

Doch die Forscher ließen es damit nicht bewenden, sie wollten auch noch dem Ausbleiben der Nilhochwasser auf den Grund gehen. Die Daten dafür lieferte Michael Sigl vom Schweizer Paul-Scherrer-Institut, der bereits vor zwei Jahren eine Chronologie der großen Vulkanausbrüche der vergangenen 2500 Jahre anhand von Schwefelablagerungen in Eisbohrkernen erstellt hatte.

Mit Sigls Hilfe ließ sich zeigen, dass der Grund für die ausbleibenden Nilhochwasser tatsächlich große Vulkanausbrüche waren: Dadurch gelangte viel Schwefel in die Atmosphäre, der vorübergehend das Klima änderte. Dadurch verschoben sich Windsysteme und damit der Monsun, der nicht mehr die Quellen des Nils erreichte. Da dessen Hochwasser ausblieb, kam es zu Dürren, Hungersnöten und zur inneren Schwächung des Ptolemäerreiches.

Schlüsse für damals und morgen

Für Joseph Manning zeigt die im Fachblatt "Nature Communications" veröffentlichte Studie aber nicht nur, wie der Klimawandel sich auf Politik und Wirtschaft in der Antike auswirkte. Die Anfälligkeit des Ptolemäerreiches für Vulkan- und Klimafolgen sollte uns daran erinnern, dass auch heute große landwirtschaftliche Regionen, in denen 70 Prozent der Erdbevölkerung leben, vom Monsun abhängig sind.

Zum Glück leben wir gerade in Zeiten ohne heftige Vulkanausbrüche: Der letzte halbwegs globale war jener des Pinatubo 1991. Sollte es wieder dazu kommen (oder zu absichtlichen Klimabeeinflussungen durch Geoengineering), könnten die Folgen sehr viel größer und dramatischer sein, als wir womöglich annehmen. 

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Ja, so wird das natürlich nichts.


Wenn sie bei den Details anfangen und jeder ersteinmal seine roten Linien und No-gos auspackt, ist die Sache von vornherein gestorben. Welche Aufgaben stehen in den kommenden Jahren, ach, und Jahrzehnten vor einer deut- schen Regierung? Das ist die Frage, die sie klären müssen. Danach erst dürfen sie sich fragen, ob sie das mit ihrer "Identität" (und der Erwartung ihrer Klienten) vereinbaren können.

Wenn nicht, müssen sie es so aussprechen, wie sie es meinen. Wenn doch, erst recht.







Dienstag, 17. Oktober 2017

Die Klerikalen haben nichts gegen die Rekonfessionalisierung unseres Lebens.


 aus FAZ

"Das Zentralkomitee der Katholiken unterstützt indes einen muslimischen Feiertag. 'In einer multireligiösen Gesellschaft kann in Gegenden mit hohem Anteil an frommen Muslimen ein islamischer Feiertag hinzukom- men, ohne dass die christliche Tradition unseres Landes verraten würde.' "

Das ist der springende Punkt: Wir sind keine multireligiöse Gesellschaft. Weil es in unserer Gesellschaft ver- schiedene Glaubensgemeinschaften gibt, sind wir eine säkulare Gesellschaft - denn nur so muss einer dem andern nicht zu nahe treten. Darum geht es nämlich. Um die Wahrung der christlichen Traditionen haben sich die Kirchen selber zu kümmern - bei ihren Gläubigen. 

Der kulturelle Beitrag des Christentums zu unserer Kultur steht auf einem ganz andern Blatt. Dem verdanken wir nämlich unter anderm, dass wir eine säkulare Gesellschaft werden konnten. Ihn dürfen auch wir Gottlosen in Anspruch nehmen. 

Mich überrascht nur, dass die Lutherischen diesmal nicht die ersten waren.



 

Montag, 16. Oktober 2017

Radikale Mitte...



... so hieß die "Spaßpartei" - damals kam das Wort auf -, die 1950 von dem Kabarettisten Werner Finck ins Leben gerufen wurde und damals einigen publizitären Erfolg hatte. Die Bundesrepublik hatte noch mit der KPD auf der einen und der SRP auf der andern Seite zwei extreme Flügelparteien, und es war nicht auszuschließen, dass die sich dort festsetzen würden.

An sich klang die Formulierung Radikale Mitte paradox. Radikal, das war der äußerste linke Flügel - die Weltrevolu- tion - und der äußerste rechte Flügel: die je nationale Konterrevolution. Mitte, das war, was als Nullpunkt zwischen den beiden Kräften resultierte: nicht zu viel hiervon, nicht zuviel davon, sondern 'grade richtig'; juste milieu. Mitte war die Resultante von tausend Kompromissen, gibst du mir dies, geb ich dir das, das ging nicht vorwärts, ging nicht rückwärts, sondern schleppte sich hin, und wenn dann ein Donnerwetter dreinfuhr, kamen sie aus dem Mustopp.


Das war im vorigen Jahrtausend. Von der Weltrevolution ist seit 1990 keine Rede mehr. Für nationale Konterrevo- lutionen besteht folglich weltweit kein Bedarf. Das Ende der Geschichte ward ausgerufen, aber dann ging sie doch weiter. Sie heißt jetzt Globalisierung.

*

Radikal war, was an die Wurzel ging; Revolution und Konterrevolution; entweder oder. Entweder oder gibt's nicht mehr. Es gibt nur noch Globalisierung und Digitalisierung, aber das ist dasselbe. Strittig sind sie nicht, sondern nur, was man draus macht. Radikal ist, wer die Sache zuende denkt und draus macht, was der gesunde Menschenverstand - Vernunft muss gar nicht beschworen werden - rät. 

Was digitalisiert werden kann, werden die intelligenten Maschinen übernehmen. Für uns Menschen bleibt an Arbeit nur übrig, was - sei es - lebendige Einbildungskraft, - sei es - menschliche Einfühlung verlangt. Mit andern Worten, die ausführenden und namentlich die verwaltenden Tätigkeiten hätten wir uns endlich vom Halse programmiert. Da aber nicht weniger, sondern mehr produziert werden dürfte, müsste die Verteilung anders geregelt werden als durch den jeweiligen Anteil der Individuen an der produktiven Arbeit: Denn die meisten hätten keinen mehr. 

An einem garantierten Grundeinkommen wird auf die ganz lange Sicht nichts vorbeiführen. Heute erscheint das Problem der Finanzierung als unüberwindliche Hürde. Aber die faux frais durch ausufernde Verwaltungsarbeit, die sachlich immer hinderlicher wird, wachsen weiter: Maschinen können das besser. Es kommt der Tag, da wird das garantierte Grundeinkommen ein Gebot der Sparsamkeit sein. 

*

Hier schließt sich der Kreis. Das ist in einem Land nicht möglich: In das Land, das damit anfinge, würden sich die Migrationsströme der ganzen Welt ergießen. Das ist nur gangbar als ein weltweit geplanter und, so Gott will, abge- stimmter Prozess. 

Und doch muss irgendwo angefangen werden. Die Frage, ob das überhaupt möglich ist, stellt sich schon gar nicht mehr. Es ist notwendig, und da werden die Möglichkeiten wohl oder übel einlenken müssen.

*

Langer Rede kurzer Sinn (Sie ahnen es längst): Europa ist die Weltgegend, die mit der überkommenen kapitalisti- schen Wirtschaftsordnung, die den Weltmarkt geschaffen hat und mit der digitalen Revolution die Globalisierung vorantreibt, die längste und man darf wohl sagen: sattsamste Erfahrung gemacht hat. Es kommt ihr zu, auch den Weg heraus zu weisen. Und die Gegend, wo Europa am europäischsten, nämlich am zwiespältigsten ist, ist die unsere. Deutschland in Europa und Europa in der Welt - das ist die Perspektive der radikalen Mitte.





 

Sonntag, 15. Oktober 2017

Ein Glück nur, dass keiner richtig gewonnen hat.


H. Daumier, 35 Gesichtsausdrücke 

Da es ja wohl im niedersächsischen Landtag keine Mehrheit für einen neuen Ministerpräsidenten gibt, wird Weil im Amt bleiben müssen und eine rot-grüne Minderheitsregierung führen - die doch gerade erst abgewählt wurde. Die Grünen haben mehr verloren, als die SPD - unter anderm von ihnen - hinzugewonnen hat. Wie das Martin Schulzens erfoffter Wiederbelebung der Sozialdemokratie förderlich sein kann, ist kaum abzusehen. Dass er diesmal mit einem blauen Auge davongekommen ist, war ja wohl kein Sieg; Althusmann muss nur warten.

Dass das Ergebnis auf der andern Seite Frau Merkels Position in den Koalitionsverhandlungen mit FDP und Grünen schwächen wird, ist ebensowenig zu erkennen. Die CDU hat in Niedersachsen nicht entfernt so stark verloren wie Grüne und FDP. Die müssen ganz bescheiden bleiben. Aber vor allem hat sie nicht entfernt soviel an die AfD verloren wie unlängst im Bund. In dieser Partei haben die Duckmäuser, die sich um ihre "rechte Flanke" sorgen, keinen Grund, sich bestätigt zu fühlen. 


Um die darf sich ab jetzt die AfD mit Frau Petry streiten; Sache des vernunftbegabten Teils der CDU ist es, Mitte nicht negativ, 'subsidiär' im Blick auf den einen und den anderen Flügel, sondern durch positive Bestimmung dessen zu definieren, was sachlich geboten ist. Dazu bietet die Koalition mit Grünen und Freien Demokraten eine einmalige Gelegenheit. Denn da werden sie alle während der Verhandlungen - und beim Regieren erst recht - ihre ideologi- schen Bekenntnisse an der Garderobe lassen müssen.

Sachlich geboten ist die Stärkung Europas in der Welt durch die Stärkung Deutschlands in Europa. Die Welt - das ist die Globalisierung oder, was dasselbe bedeutet, die digitale Revolution. Da liegt genügend richtige Arbeit vor ihnen, das reicht für mehr als eine Legislatur. Und da werden sie sich alle drei richtig ändern können; aber nur, wenn sie ihre Zimperliesen beiseite tun.



Auch Afrikaner waren weiß, bevor sie schwarz wurden.


aus derStandard.at, 14. Oktober 2017, 16:46

Neue Studie über Hautfarben räumt mit alten Vorurteilen auf
DNA-Analysen von mehr als 2000 Afrikanern zeigen: Hauttöne variieren seit gut 900.000 Jahren, und hellere Pigmentierung ging vielfach dunklerer voraus

von Klaus Taschwer

Philadelphia/Wien – Die Frage, ob es menschliche "Rassen" gibt und wie diese einzuteilen seien, beschäftigt nicht nur die Anthropologie seit gut 200 Jahren. Auch wenn das Konzept heute als wissenschaftlich weitgehend obsolet gilt, unterscheiden sich heutige Vertreter von Homo sapiens äußerlich durch ihre Hautfarben.

War der Mensch ursprünglich dunkelhäutig?

Da der moderne Mensch in Afrika entstand und heute lebende Afrikaner dunkle Haut besitzen, geht man gemeinhin auch davon aus, dass die dunkle Hautfärbung auch die ursprünglichere war. Doch wie eine neue Studie von Forschern um Sarah Tishkoff (Universität Philadelphia) im Fachblatt "Science" zeigt, ist die Sache um einiges bunter und komplizierter, als selbst Humangenetiker bisher dachten.

Denn auch diese gingen davon aus, dass nur einige wenige Gene für die Farbtöne unserer Haut sorgen: bei den Afrikanern etwa das Gen MC1R, das für dunkle Pigmentierung verantwortlich sei.

Viele Schattierungen von "Braun"

Für ihre neue Untersuchung nahmen Tishkoff und ihr Team die Haut von mehr 2000 Menschen aus Äthiopien und Tansania (jeweils Ostafrika) und dem südafrikanischen Botswana unter die Lupe, sprich: Sie bestimmten deren erstaunlich stark variierenden Hauttöne und nahmen dazu DNA-Proben der Testpersonen, die aus verschiedenen Ethnien stammten.

Die Ergebnisse waren einigermaßen überraschend. Die Forscher fanden insgesamt acht Bereiche des Genoms, die mit der Pigmentierung zu tun haben und rund 30 Prozent der Variation erklären. Und für alle acht Bereiche gab es je eine Variante, die für hellere und für eine dunklere Haut sorgt. Vier der helleren Varianten entstanden vor mehr als 270.000 Jahren, also noch vor dem ersten Auftreten des Homo sapiens, vier überhaupt schon vor rund 900.000 Jahren

Das Gen OCA2 etwa, das mit Pigmentierungen der Europäer in Zusammenhang steht, behauptet sich seit mehr als 600.000 Jahren. Das wiederum bedeutet, dass diese Varianten schon vorhanden waren, ehe es zur Aufspaltung in moderne Menschen, Denisova-Menschen und Neandertaler kam.

Hellere Pigmentierung kam vor dunkler

Drei der besonders dunklen Hautvarianten von afrikanischen Ethnien dürften erst als Variante hellerer Vorformen entstanden sein. Und die ältesten Varianten, die entdeckt wurden, sind für helle Hautfarbe verantwortlich. Dass die Vertreter der San in Botswana eine besonders helle Hautfarbe haben, obwohl sie als eine der ältesten Populationen von Homo sapiens gelten, passt da gut ins Bild.

Die helle Haut von Schimpansen

Tishkoff und ihr Team spekulieren auch, wie es zur dunkleren Pigmentierung gekommen ist, und verweisen darauf, das Schimpansen unter ihrem dunklen Fell eine helle Haut haben. Dunkle Haut sei erst ab dann von Vorteil gewesen, als unsere Vorfahren die Körperbehaarung verloren und vom Wald in die Steppe emigrierten.


Nota. - Hinterher klatscht man sich an die Stirn und sagt: Ist doch klar! Unsere behaarten Vorfahren konnten keine Pigmente bilden - sie brauchten keine. Erst nach dem Verlust des Haarkleides konnte sich die Fähigkeit der Haut, Melanin aufzubauen, nach und nach entwickeln. Blass kommt selbstverständlich vor dunkel! (Solange die Hominiden im Urwald lebten, was Sonneneinstrahlung kein Problem.)

À propos Vorurteile: Dass Weiß die ursprüngliche, "echtere" Färbung unserer Haut ist, passt einem Rassisten gut in den Kram. 
JE








Samstag, 14. Oktober 2017

Muslimische Feiertage.

Caravaggio, Abraham opfert Isaak

am 13. 1. 15 schrieb ich:

Nicht nur die christliche Religion, sondern auch die christlichen Kirchen haben die abendländische Kultur geprägt; und dies lange bevor wir demokratisch, republikanisch,* laizistisch und liberal geworden sind. 

Wir sind demokratisch, republikanisch, laizistisch und liberal geworden, und den Einfluss der Kirchen aufs öffent- liche Leben und das Lasten der Dogmen auf den Intelligenzen haben wir zurückgedrängt, soweit es geht, und eines Tages werden auch in Bayern die Kruzifixe aus den Klassenzimmern verschwunden sein.



Die Kirchensteuer könnten wir auch noch abschaffen, aber die Dome in Köln, Speyer und Limburg müssten wir doch aus Mitteln des Gemeinwesens unterhalten (und möglichst als Kirchen), weil sie zum Bestand unserer Kultur gehören, so wie die Weihnachts- und Osterfeiertage auch - und noch einiges mehr, worüber man im einzelnen durchaus streiten kann. 

Es leben einige Millionen Muslime in Deutschland, und so, wie Deutschland nun einmal geworden ist, gehören sie dazu. Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Religion ist Privatsache. Dass wir unsere christliche Herkunft nicht einfach abstreifen können - ich meine: auch in der Öffentlichkeit nicht - wie ein Hemd, ist grad genug. Für irgend- welche Importe ist kein Platz. Was in deutschen Satiremagazinen stehen darf und was nicht, regeln deutsche Gesetze und keine Fatwas. 

*) In Deutschland waren die Landesfürsten bis zur Revolution von 1918 zugleich die obersten Bischöfe der lutherischen Landeskirchen.



Aktueller Nachtrag. 

Ein staatlicher muslimischer Feiertag für alle Deutschen? Und warum kein jüdischer? Feiertage können wir Werk- tätigen gar nicht genug bekommen! Juden haben wir nicht so viele wie Türken? Na, wenn's danach geht - wenn uns eines Tages die Nordsee ein paar hunderttausend Inder an den Strand spült, wäre dann ein hinduistischer Feiertag fällig? 

Oder muslimische Feiertage nur für Muslime? Soll von staatswegen überprüft werden, welcher Türke Muslim und welcher Christ ist, oder gilt der Türke vor deutschem Gesetz an sich als Muslim? Das eine lässt, lieber Herr Bundes- innenminister, das Grundgesetz gottlob genauso wenig zu wie das andere.

In manchen deutschen Gegenden sind die katholischen Feiertage amtliche Feiertage, in andern nicht. Ich bin in Berlin zur Schule gegangen. Da hatten die katholischen Schüler zwar schulfrei, aber beneidet haben wir andern sie nicht; denn damals mussten sie noch stattdessen in die Kirche. Am Reformationstag trafen wir anderthalb Atheisten die dreieinhalb Katholiken wieder - auf der Schulbank, denn da hatten die Evangelischen frei, aber beneidet haben wir sie wiederum nicht, denn sie mussten - damals noch - stattdessen in die Kirche; mindestens bis zur Konfirmati- on.

Das sind Überreste unserer kulturellen Vergangenheit. Die Feiertage sind kulturelle Errungenschaften, wie der christliche Sonntag. Sie sind als solche erhaltenswert, und sei's zum Preis einer rechtsstaatlichen Verrenkung, man kann sich sein Erbe ja nicht aussuchen.

Aber die Konfessionalisierung ist weiß Gott nicht unsere Zukunft. Wenn das Herrn de Maizières Idee war, sollte er von der schwarz-gelb-grünen Regierung ausgetauscht werden. Die Zukunft des freiheitlichen Rechtsstaats ist die Trennung von Kirche und Staat:

Vorwärts immer, rückwärts nimmer!


P.S.: Martin Schulz tutet in de Maizières Horn? Das sieht ihm ähnlich; mehr fällt mir dazu nicht ein.