Donnerstag, 31. August 2017

Wurde Amerika von Arabern entdeckt?

aus derStandard.at, 30. August 2017, 09:00                                                       Die Karte des Piri Re'is

Haben die Araber Amerika "entdeckt"?
Fuat Sezgin ist anerkannter Experte für islamische Wissenschaftsgeschichte. Ein neues Buch stellt seine Arbeiten vor und behauptet, Muslime hätten vor 1492 die Neue Welt erreicht

von Klaus Taschwer

Wien – Im November 2014 sorgte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan wieder einmal für einige Irritationen. Diesmal ging es aber eher um ein Nischenthema. Bei einem Gipfel mit Muslimen aus Lateinamerika in Istanbul vertrat er die originelle These, dass muslimische Seefahrer Amerika im Jahr 1178 und damit 314 Jahre vor Kolumbus "entdeckt" hätten. (Die Anführungszeichen sind mittlerweile zumindest im Westen üblich, weil auf dem Doppelkontinent bereits seit rund 15.000 Jahren Menschen lebten.)

International sorgte Erdoğans Sager für einiges Kopfschütteln. Wollte er damit nun sogar die Entdeckergeschichte islamisch umschreiben? Zwar geht man in der Geschichtswissenschaft davon aus, dass vor dem Seefahrer aus Genua der Isländer Leif Eriksson in Nordamerika gelandet war. Doch von präkolumbischen Seefahrern aus dem arabischen Raum ist in den einschlägigen Geschichtsbüchern keine Rede.

Erdoğans seriöse Quelle

Wenige Tage nach seiner Rede in Istanbul legte Erdoğan die Quellen für seine Behauptung offen, und darüber wurde im Westen nur mehr sehr selektiv berichtet: Er berief sich vor allem auf den türkischen Orientalisten Fuat Sezgin, seines Zeichens angesehener, mehrfach ausgezeichneter und längst emeritierter Professor für die Geschichte der Naturwissenschaften an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Der heute 92-Jährige, der als international anerkannter Experte der islamischen Wissenschaftskultur gilt, gründete an der Uni Frankfurt am Main ein Institut für die Geschichte der arabisch-islamischen Wissenschaften und trug eine weltweit einzigartige Sammlung von historischen wissenschaftlichen Instrumenten sowie von Karten aus dem arabischen Raum zusammen. Zudem gründete er in Istanbul ein Museum der arabischen Wissenschaft.

Autor zahlreicher Standardwerke

Vor allem ist er Autor einer 15-bändigen "Geschichte des arabischen Schrifttums", ein Standardwerk, das er zwischen 1967 und 2010 veröffentlichte. Deren jüngere Bände ab dem Jahr 2000 befassen sich schwerpunktmäßig mit der erstaunlich weit fortgeschrittenen Kartografie und Geografie im arabischen Raum. Und darin vertritt Sezgin die These, dass die Araber nicht nur wichtige Vorarbeiten zu den großen Entdeckerfahrten von Kolumbus und Kollegen leisteten, sondern schon früher in Amerika gelandet waren. (Für ein Exzerpt daraus siehe die Linkliste am Ende dieses Artikels.)

Aufbereitung der wichtigsten Erkenntnisse

Da Sezgins Arbeiten außerhalb der Fachkollegenschaft wenig bekannt sind, hat sich die deutsche Wissenschaftsjournalistin Susanne Billig der Aufgabe unterzogen, seine wichtigsten Erkenntnisse in einem Buch aufzubereiten, das dieser Tage unter dem Titel "Die Karte des Piri Re'is" erschien. Der Fokus liegt dabei auf Sezgins "Spätwerk" – also auf seiner Erforschung der astronomischen, nautischen, geografischen und kartografischen Kenntnisse der arabischen Welt des Mittelalters. Eigenständige Weiterentwicklungen

Auf Basis von Sezgins Arbeiten kann die Autorin anschaulich vermitteln, dass die islamischen Gelehrten in dieser Zeit nicht nur die Bewahrer des wissenschaftlichen Wissens der Antike waren, was heute als allgemein akzeptierte Tatsache gilt. Anhand zahlreicher Belege, die Sezgin zusammengetragen hat, macht sie klar, wie die Araber diese Erkenntnisse vor allem auf der Iberischen Halbinsel eigenständig weiterentwickelt haben.

Im Schlussteil des Buchs geht Billig dann ausführlich auf die von Sezgin rekonstruierten Beiträge der arabisch-islamischen Wissenschaft zu den großen Entdeckungsreisen ein. Nachvollziehbar ist die "schwächere" These Sezgins, wonach die Europäer bei ihren Seefahrten auf das nautische und kartografische Wissen der Araber zurückgriffen. Indizien für die starke These

Doch sind die Araber vor Kolumbus selbst über den Atlantik gesegelt? Auch dafür hat Sezgin zahlreiche Indizien gesammelt. Er findet sie etwa auf der Karte des türkischen Admirals Piri Re'is aus dem Jahr 1513. Ihre bereits extrem genaue Beschreibung Südamerikas deutet laut Sezgin darauf hin, dass der Kartograf damals arabische Quellen hatte, denn es sind darauf Gegenden der Südostküste Südamerikas detaillierter dargestellt, als man damals "offiziell" hätte wissen können. foto: bilkent-universität Die auf 1513 datierte und erst 1929 wiederentdeckte Karte des türkischen Admirals Piri Re'is gibt ob ihrer detailreichen Darstellung Südamerikas (links unten) Rätsel auf. Für Fuat Sezgin legt sie frühe arabische Reisen nach Amerika nahe.

Sezgins Interpretationen haben zwar einiges für sich, doch auch er kann damit nicht restlos überzeugen. Er führt aber noch weitere Hinweise für seine "starke" These an, wie die Karten des Alberto Cantino (1502) oder des Juan de la Cosa (1500), in die für Sezgin ebenfalls arabisches Wissen eingeflossen sein muss. Zudem nennt er einige schriftliche Quellen, die arabische Expeditionen über den Atlantik plausibel machen, auch wenn dabei unklar bleibt, was die Araber dabei überhaupt angetrieben hat.

"Ein vorsichtiges 'Höchstwahrscheinlich'"

Nichtsdestoweniger sind die Indizien zweifellos diskussionswürdig und fanden auch in der Fachwelt einige Resonanz. Einen eindeutigen Beweis kann Sezgin freilich nicht vorlegen, dass Muslime vor Kolumbus die Neue Welt betreten haben, auch wenn im Buch gleich mehrfach das Wort "höchstwahrscheinlich" verwendet wird – gleich zu Beginn übrigens ist originellerweise von einem "vorsichtigen 'Höchstwahrscheinlich'" die Rede.

Um auch hier an den Anfang zurückzukommen: Staatspräsident Erdoğan hat im November 2014 zwar einen seriösen Wissenschafter zitiert, aber eben dann doch nicht ganz seriös und richtig. Susanne Billig hätte aber gut daran getan, diese Vereinnahmung Sezgins durch Erdoğan – und damit den eminent politischen Kontext dieser Debatte – nicht völlig zu verschweigen.




Nota. - Politisch korrekt muss es natürlich heißen: Wurde Amerika von Arabern "entdeckt"? Die Anführungs- zeichen sind sozusagen das Ei des Kolumbus. Sie sollen nämlich hinzufügen: "für den Rest der Welt". Kein Mensch weiß, wie viele arme Seelen von widrigen Winden über den Atlantik verschlagen worden, in Ameika an Land gegangen, aber - nie zurückgekehrt sind? Historisch real ist Kolumbus' Fahrt nur darum geworden, weil er zurückgekehrt ist, dem spanischen König berichtet und Amerikas Eroberung durch Europäer eingeläutet hat. Das hat kein Wikinger und kein Araber getan. Eine Kenntnis, die verloren ging, hat es gewissermaßen nie gegeben.
JE


Freitag, 25. August 2017

Ich ganz wichtig.



Die Identitätspolitik hat die amerikanische Linke in eine tiefe Krise geführt,

schreibt Mark Lilla am 17. 8. in einem längeren Essay für die Neue Zürcher, in dem er die Gedanken des Interviews mit der Wiener Presse ausführt, das ich vorgestern wiedergegeben habe.

Ronald Reagan machte praktisch im Alleingang die Ideale des New Deal zunichte, an denen wir uns so lange orientierten. Franklin Roosevelt hatte uns ein Land vor Augen gestellt, dessen Bürger sich zusammenschlossen, um gemeinsam eine starke Nation aufzubauen und einander gegenseitig zu schützen. Die Schlüsselworte waren Solidarität, Chancen und Engagement. Reagan stand für ein individualistischeres Amerika, dessen Bürger, von den Fesseln des Staats befreit, prosperieren würden; Eigenverantwortlichkeit und minimale Lenkung von oben waren nun die Devise. 

"Die Linke", schreibt er, habe dem nicht widerstehen können, weil sie der damals aufkommenden Losung Das Private ist politisch erlegen war.

Geprägt wurde der Satz von Feministinnen der 1960er Jahre, und er fing die damalige Denkweise der neuen Linken perfekt ein. Ursprünglich wurde er dahingehend ausgelegt, dass alles, was rein privat erscheint – die Sexualität, die Familie, der Arbeitsplatz –, faktisch politisch ist und dass es keine Lebensbereiche gibt, die frei von Machtkämpfen sind. Das machte die Formulierung so radikal; sie elektrisierte diejenigen, die ihr zustimmten, und verstörte alle anderen.

Aber es gab auch eine romantischere Lesart: dass nämlich das, was wir für politisches Handeln halten, tatsächlich nur eine persönliche Aktivität ist, ein Ausdruck dessen, was ich bin und wie ich mich definiere. Wie wir heute sagen würden: eine Ausprägung meiner Identität.

Im Lauf der Zeit gewann diese romantische Auslegung die Oberhand über die radikale. In der Linken setzte sich die Idee fest, dass – um die Formel umzukehren – das Politische das Persönliche ist. Linksliberale und Progressive kämpften weiterhin für soziale Gerechtigkeit in der Welt. Aber nun verlangten sie auch, dass es keine Trennung mehr geben sollte zwischen dem, was sie innerlich fühlten, und dem, was sie draussen in der Welt taten. Sie wollten, dass ihr politisches Engagement abbildete, wie sie sich als Individuen verstanden. Und sie wollten, dass diese Selbstdefinition anerkannt wurde. 

Traditionell habe "die Linke" die Mensch vereinen und nicht unterteilen wollen 

All das begann sich zu ändern, als in den 1970er Jahren die neue Linke zu Bruch ging – auch und gerade wegen Identitätsfragen. Schwarze beklagten sich, dass die weissen Führer der Bewegung rassistisch seien, Feministinnen warfen ihnen Sexismus vor, Lesben fanden die heterosexuellen Feministinnen homophob. Die grossen Feinde waren nicht mehr der Kapitalismus und der militärisch-industrielle Komplex. Es waren Mitstreiter, die, salopp gesagt, nicht genügend auf Zack waren. 

In einer poltischen Partei wirkten die unterschiedliche Kräfte zentripetal und letzten Endes zusammen. 

Bei politischen Bewegungen sind die Kräfte allesamt zentrifugal, führen zur Aufsplitterung in immer noch kleinere Faktionen, die von einzelnen, genau definierten Zielsetzungen und ideologischem Superioritätsdenken besessen sind. Symbole gewinnen eine unverhältnismässige Bedeutung.

Die Resultate dieses Wandels sind nun evident: Das klassische demokratische Konzept, Menschen unterschiedlichster Herkunft hinter ein einziges gemeinsames Anliegen zu scharen, ist einer Pseudopolitik gewichen, die sich in Selbstbespiegelung und Selbstbehauptung erschöpft. Und was diese Tendenz am Leben hält, ist die Tatsache, dass sie an den Colleges und Universitäten kultiviert wird, wo die linksliberale Elite ihre Ausbildung erhält.

Nach Reagans Wahlsieg im Jahr 1980 schwärmten konservative Aktivisten aus, um das neue Evangelium des Individualismus, des Small Government und des freien Marktes zu predigen; sie setzten ihre Energien daran, an abgelegenen Orten Regional-, Bundesstaats- und Kongresswahlen zu gewinnen. Auch einstige Aktivisten der neuen Linken waren unterwegs; die allerdings nahmen andere Abzweigungen vom Highway und peilten die Städte an, wo Universitäten und Colleges zu finden waren.

Die Konservativen konzentrierten sich darauf, Wähler der Arbeiterklasse für sich zu gewinnen, die einst den Demokraten nahegestanden hatten – eine Bottom-up-Strategie. Die Linke dagegen fokussierte darauf, die Meinungen der Kader und der Parteielite zu transformieren – eine Top-down-Strategie. 

"Die Linke", das ist für Lilla offenbar die Demokratische Partei, die sich während der Großen Depression mit den Gewerkschaften verbandelt hatte und ihre Wähler unter den städtischen Arbeitern suchte. 

Ihre politische Erziehung findet heute auf dem Campus statt, in sozialer wie geografischer Hinsicht fern vom Rest des Landes – und insbesondere von ebenjenen Leuten, die einst das Fundament der Demokratischen Partei bildeten. Und der politische Katechismus, der dort gelehrt wird, ist ein historisches Artefakt, das eher die spezifische Erfahrung der Achtundsechziger als die Realitäten heutiger Machtpolitik reflektiert.

Für diese Studenten – die künftige Elite – ist die Grenze zwischen Selbsterforschung und politischem Handeln diffus geworden. Ihr politisches Engagement ist aufrichtig, aber fest eingehegt in den Grenzen ihrer Selbstdefinition. Was diese Grenzen zu verletzen droht, wird als Bedrohung wahrgenommen, und weil Politik für diese jungen Leute etwas Persönliches ist, ist sie tendenziell absolutistisch. Angelegenheiten, die nicht ihre Identität tangieren oder ihresgleichen betreffen, werden kaum wahrgenommen. Und klassische linksliberale Ideen wie Bürgersinn, Solidarität und Gemeinwohl bedeuten ihnen wenig. 

In den letzten zehn Jahren hat sich eine neue und sehr aufschlussreiche Redewendung, die ihren Ursprung in den Universitäten hat, in den Massenmedien etabliert: «Ich als X . . .» Das ist keine leere Floskel; es errichtet einen Schutzwall gegen Fragen, die aus einer anderen als der X-Perspektive kommen. Früher hätte eine Diskussion im Klassenzimmer vielleicht mit den Worten begonnen: «Ich denke A, und dies aus den folgenden Gründen.» Heute heisst es: «Ich als X fühle mich beleidigt, weil du B behauptest.» Anstelle einer Auseinandersetzung findet eine Tabuisierung konträrer Denkweisen und Meinungen statt.

Aber kaum hatte diese Generation die Macht an den Hochschulen übernommen, begann sie die linksliberale Elite zu entpolitisieren. Der Gedanke ans Gemeinwohl wurde dieser ebenso fremd wie die Frage, auf welche Weise es in der Praxis zu gewährleisten wäre – und noch ferner lag ihr das zähe und glanzlose Bemühen, ganz anders denkende Menschen davon zu überzeugen, sich hinter ein gemeinsames Anliegen zu stellen.

Jeder Fortschritt des linksliberalen Identitätsbewusstseins bedeutet also – dies sei in aller Deutlichkeit gesagt – einen Rückschritt des linksliberalen politischen Bewusstseins.

Black Lives Matter ist ein Paradebeispiel dafür, wie man Solidarität zerstört statt aufbaut. Die Bewegung hatte die Misshandlung von Afroamerikanern durch die Polizei angeprangert: Das war ein Weckruf für jeden Amerikaner, der ein Gewissen in sich trägt. Aber als die Bewegung diese Misshandlungen zur Basis einer grundsätzlichen Anklage gegen die amerikanische Gesellschaft machte und öffentliche Beicht- und Bussrituale zu fordern begann, spielte sie damit lediglich den Republikanern in die Hände.

Ich bin kein dunkelhäutiger Autofahrer, und ich werde nie wissen, wie er sich am Steuer fühlt. Umso wichtiger wäre es, dass ich mich auf irgendeine Weise mit diesen Menschen identifizieren kann; und die Tatsache, dass wir beide amerikanische Bürger sind, ist das Einzige, was wir mit Sicherheit gemeinsam haben. Je mehr die Differenzen zwischen uns herausgestrichen werden, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass ich mich empöre, wenn er misshandelt wird.

Die Identitätspolitik hat einzig bewirkt, dass die Konservativen unsere Institutionen immer fester im Griff haben. Es wäre höchste Zeit, dass die Linksliberalen eine Spitzkehre machen und sich wieder zu ihren Kernprinzipien bekennen: Solidarität und gleiche Chancen für alle. Nie hat das Land dies mehr gebraucht.

Mark Lilla ist Professor für Ideengeschichte an der Columbia University, New York. Der Text beruht auf seinem Buch «The Once and Future Liberal», das eben im Verlag Harper erschienen ist. Aus dem Englischen von as.


Nota. - Links und Rechts sind in Amerika wie so vieles andere Importe aus Europa. In Europa war die Linke durch ihre Nähe zur Revolution definiert, der Großen Französischen zuerst und der roten proletarischen ab Juni 1848; rechts waren die Antirevolutionäre. Die beiden großen Parteien der USA berufen sich dagegen beide gleichermaßen auf ihre, die Amerikanische Revolution, den Unabhängigkeitskrieg gegen die britische Krone. Eine Unterscheidung zwischen (gesellschaftlich) konservativ und (gesellschaftlich) fortschrittlich gabe es gar nicht, sondern eher zwischen Befürworten einer starken Zentralregierung und den Anhängern lokaler Autonomie.

Denn was in Europa die Soziale Frage war, war an den Städten der Ostküste ein Problem der armen und rechtlosen Einwanderer; sozialistische und anarchistische Gruppen gediehen nur dort, aber die offene frontier war das Ventil, durch das die Energien der Klassenkämpfe - so gewaltsam sie auf lokaler Ebene auch immer wieder waren - ins Go west! umgeleitet wurden. Progressive nannten sich dagegen die Vertreter der ländlichen Volksgruppen, die isolationistisch, imperialistisch und rassistisch gestimmt waren - und in der Wirtschaftspolitik auf regulierenden Eingriff des Staates hofften.

Die andere, akutere Soziale Frage war die Sklaverei im Süden. Abraham Lincoln war der erste Präsident, der aus den Reihen der - damal noch neuen - Republikaner kam. Die Demokraten dagegen, die es unter wechselnden Namen seit Thomas Jefferson gibt, waren ein Sammelbecken der Sklavenhalter und Rassisten, und so in den Südstaaten bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Und eine Trennung in Links und Rechts hat auch nach dem Ersten Weltkrieg, auf den eine neue Welle des Isolationismus folgte, nicht staatfinden können: Die Oktoberrevolution hat in der Tiefe der amerikanischen Gesellschaft lediglich the Red Scare hervorgerufen, die Stimmung war in allen Lagern - cf. den Fall Sacco und Vanzetti - so reaktionär und repressiv wie selten zuvor. Was Mark Lilla "die Linke" nennt, ist überhaupt erst als Folge der Großen Depression der 30er Jahre entstanden, als sich  Industriegewerkschaften bildeten, die nicht ständisch-exklusiv waren und sich für Ungelernte und... Schwarze öffneten: Das Rassenproblem war im Lauf der Great Migration von einem lokal südstaatlichen zu einem national amerikanischen Problem geworden.

Die politische Antwort war die Politik des New Deal unter dem demokratischen Präsidenten F. D. Rosoevelt, ihr Vordenker war der Pädagoge und pragmatistische Philosoph John Dewey. Er prägte das Schlagwort von New Liberalism, der, anders als der traditionelle Wirtschaftsliberalismus der Demokraten, einsah, dass ein Staat auf der Freiheit des Individuums nur dann aufgebaut sein kann, wenn die Individuen die sachlichen Mittel haben, sich ihrer Freiheit zu bedienen. Es heißt, es sei die amerikanische, klassenlose Variante der europäischen Sozialdemokratie gewesen. Leo Trotzki erkannte dagegen im massiven Staatsinterventionismus des New Deal und der Kumpanei mit den Apparaten des Gewerkschaftsbunds CIO das gesellschaftspolitische Pendant zu den Programmen der europäischen Faschismen: letzte Verteidígungslinien gegen die drohende Weltrevolution.*

Anders als in Europa war die Linke in Amerika nie die politische Form einer realen Klassenbewegung, sondern der ideologische Firnis einer besonderen Spielart bürgerlicher Politik. In Europa ist mit der Arbeiterbewegung die eine untergegangen, in Amerika mit dem Ende des Vietnamkriegs die andre. Übrig bleibt das Lamento und die Selbstbespiegelung.

Um die "kleinen Leute" buhlen wie eh und je Populisten aller Couleur, und wenn sie sonst auch in den verschiedensten Nuancen schillern: Sie eint, dass die Farbe der Liberalität bei ihnen fehlt. Auch die europäische Arbeiterbegung war libertär** nur dort und solange, wie sie revolutionär auftrat; der refomistischen Sozialdemokratie lag der fürsorgliche Staat immer näher als die Selbstbestimmung der Individuen. Mark Lilla trauert einer Illusion hinterher.

Ansonsten hat er Wort für Wort Recht. 
JE

*) Das hat John Dewey nicht gehindert, in Mexico-Stadt dem Gegenprozess vorzusitzen, der Leo Trotzki von den Anschuldigungen der Moskauer Prozesse freigesprochen hat.

**) Diese ursprünglich europäische Vokabel bezeichnete die politische Philosophie des Anarchismus. Seit dem New Deal gilt in Amerika als liberal Sozialdemokrat. Den dortigen Marktradikalen reichte die Wortschöpfung neoliberal nicht aus, libertarians nennen sich dort heute die entschieden staatsfeindlichen Altliberalen.



Mittwoch, 23. August 2017

Entpolitisierende Korrektheit.

aus spiegel  
aus Die Presse,

Mark Lilla: „Die jungen Amerikaner sind entpolitisiert“
Der US-Politikwissenschaftler Mark Lilla von der Columbia University kritisiert die intellektuelle Mode der Identitätspolitik, die von Amerikas Hochschulen ausgehend viele junge Linksliberale von der Gesellschaft entfremdet habe.


Nach der US-Präsidentenwahl haben Sie den politischen Abstieg der Linken mit deren Fixierung auf Identitätspolitik begründet, also die Betonung der Unterschiede von Minderheiten. Ist also eine Handvoll französischer Philosophen – Strukturalisten, Poststrukturalisten, Männer wie Michel Foucault – schuld daran, dass Donald Trump Präsident ist?

Nein. Das wäre zu einfach. Ich denke aber, dass sie dazu beigetragen haben, dass die amerikanische Vorstellungskraft in den vergangenen rund 30 Jahren von den Republikanern übernommen worden ist. Linke Amerikaner sind seither zu zwei Dingen unfähig: erstens, ein alternatives Bild des guten Lebens und Amerikas Gegenwart und Zukunft zu zeichnen, das ebenso überzeugend ist wie jenes, das Ronald Reagan uns angeboten hat und mit dem wir noch immer leben. Zweitens – und hier ist die Verbindung zu den Philosophen direkter – haben amerikanische Liberale und Linke den Blick darauf verloren, eine klare Botschaft zu formulieren und damit Wahlen zu gewinnen.

Woran liegt das?

Das liegt vor allem an der Idee aus den Sechzigerjahren, dass alles politisch sei: sexuelle Beziehungen, Universitäten, alles. Das hat zur Folge, dass die Aufmerksamkeit für das Zentrum politischen Handelns in Demokratien verloren gegangen ist: nämlich Wahlen zu gewinnen. Dazu kommt ihre Verliebtheit in politische Bewegungen, als Gegensatz zu politischen Institutionen. Und letztlich gibt es eine Versunkenheit in das Selbst: Das libertäre Ethos der jüngsten 30 Jahre hat zu dieser Faszination für das Selbst geführt. Poststrukturelle Theorie ist Teil dieses Mix. Sie hat zu einer Entpolitisierung junger Amerikaner geführt, die glauben, politisch zu sein, indem sie sich auf ihre individuellen Identitäten konzentrieren oder sich nur insofern engagieren, als ihre jeweilige Selbstdefinition betroffen ist. Stattdessen sollten sie auf herkömmliche Weise tätig werden, also Ideen entwickeln, ein Programm vorlegen, Wahlen gewinnen.

Wenn man in Amerika lebt, gewinnt man den Eindruck, dass an vielen Hochschulen enorme Energie dafür eingesetzt wird, Beschwerden zu propagieren, die oft nur winzige Gruppen betreffen. Man denke zum Beispiel an die Debatte um den Zugang zu öffentlichen Toiletten für Transsexuelle. Wenn man einwirft, dass so ein Minderheitenthema von den großen, die Gemeinschaft betreffenden Fragen ablenkt, wird man rasch und wütend kritisiert. Was soll man da tun?

Viele, die in den Sechziger- und Siebzigerjahren dort politisch aktiv waren, haben an den Hochschulen Karriere gemacht. Während das Land sich in der Zwischenzeit von ihrer Politik abgewendet hat, haben sie die Universität kolonisiert und behandeln sie als eine Art Bühne für die Inszenierung von politischen Kabuki-Dramen, die wenig Bezug zum Leben außerhalb haben und symbolisch hoch aufgeladen sind. Darum finde ich, dass das Gerede von einer „Vergewaltigungskultur“ an den Hochschulen der Debatte über die sexuellen Beziehungen unter Studenten einen schlechten Dienst erweist. Was diese Toilettenfrage angeht: Wie viele Leute betrifft das wirklich? Nicht die Toilette seiner Wahl benützen zu können, ist nicht damit zu vergleichen, als Schwarzer in den Sechzigerjahren in einem segregierten Imbisslokal kein Essen serviert zu bekommen.

Was folgt daraus?

An den Universitäten, diesen kleinen, utopischen Gemeinschaften, wo alles ausdiskutiert werden muss und jeder versucht, noch radikaler zu sein als die anderen, herrscht ein totaler Verlust des Sinnes für Verhältnismäßigkeit. Identitätspolitik drückt aus, statt zu überzeugen. Die Anliegen von Studenten an wohlhabenden Hochschulen haben keinen Bezug zur Sprache, zum Leben der Menschen draußen im Land. Man gewinnt keine Stimmen für die Demokratische Partei, wenn man einen Autoarbeiter aus Michigan über seine Privilegiertheit als Weißer belehrt und ihm den Sinn des Wortes „Cisgender“ beibringt.

Auch in Europa versagen linke Regierungen darin, wirtschaftliche Probleme zu lösen, und konzentrieren sich auf identitätspolitische Erfolge: Der spanische Sozialist Zapatero setzte ebenso wie der Franzose Hollande die Ehe für Gleichgeschlechtliche um, an Wirtschafts- und Sozialreformen scheiterten beide.

Die europäischen politischen Parteien sind ein Erbe des 20. Jahrhunderts. Bis in die Fünfziger-, Sechzigerjahre entsprach die Spaltung in diesen Ländern der politischen Spaltung zwischen Sozialisten und Konservativen. Darum hat das politische System funktioniert. Aber heute wirkt eine andere Spaltung, nämlich die zwischen denen, die von der Globalisierung profitieren, und denen, die das nicht tun. Die traditionellen europäischen Parteien sind Eliten, Nutznießer dieser globalisierten Welt. Darum ist das Problem nicht nur, dass sie keinen Plan für die Wirtschaft haben: Sie funktionieren nicht mehr, weil sie nicht mehr repräsentieren, was in der Gesellschaft passiert.

Ist die Unterteilung in Links und Rechts noch hilfreich, um die Welt zu verstehen?

Wir haben heute insofern eine Links-Rechts-Unterteilung, als es kosmopolitische und anti-kosmopolitische Kräfte gibt. Die kann man nennen, wie man will. Man findet heute Elemente der alten Linken und Rechten auf beiden Seiten. Die extrem rechten Parteien sind populistisch und insofern demokratisch. Sie sind demokratische Arbeiterparteien. Andererseits ist es nicht immer klar, wie sie zum Sozialstaat stehen. Die einzelnen politischen Haltungen verschieben sich, aber die fundamentale Spaltung bleibt. In der Geschichte Englands sprechen wir vom Unterschied zwischen dem Hof und dem Land. Dieselbe Unterscheidung haben wir jetzt: hier eine höfische Gesellschaft, die sich um die Quelle des Wirtschaftswachstums dreht, nämlich Offenheit zur Welt und Bildung – und dort jene, die nicht dazu gehören. 

ZUR PERSON 

Mark Lilla (* 1956 in Detroit) ist Professor für Politikwissenschaften und Ideengeschichte an der Columbia University in New York. Im dieser Tage erschienenen „The Once and Future Liberal: After Identity Politics“ (Harper Collins) befasst er sich mit der Sinnkrise der Linken. Zuvor hatte er in „The Shipwrecked Mind: On Political Reaction“ (New York Review of Books, 2016) die Grundlagen reaktionären Denkens analysiert. [ Columbia University ]


Nota. - Es ist nicht bloß ein falscher Zungenschlag - es ist ein Denkfehler, wenn Lilla die politisch korrekte 'Linke' so beschreibt, als würde dort jeder versuchen, "noch radikaler zu sein als die anderen". Noch identischer will jeder sein als die andern, noch etwas mehr 'er selbst', noch radikaler im Ichbezug. Und gegen alle andern noch zudringlicher. Das ist keine irrige Politik in richtiger Absicht. Das ist Unpolitik in sehr schlechter Absicht. Zensur und Gesinnungsterror sind kein Übereifer, sondern authentisches Ergebnis. Was daran links sein soll, ist ein Rätsel.
JE

Dienstag, 22. August 2017

Gesellschaftsspielerei.



In der Neuen Zürcher vom 20.8.2017 berichtet Rudolf Hermann über den gegenwärtig in Finnland angestellten Feldveruch zum Garantierten Grundeinkommen: Es würden erste Auswertungen bekannt.


Ein wichtiges Ziel besteht darin, die Beschäftigungsquote zu verbessern und Bürger, die Bezüger von Arbeits- losengeld sind, wieder vermehrt zu Steuerzahlern zu machen. Denn während zwar das Grundeinkommen selbst steuerfrei ist, wird Arbeitseinkommen sehr wohl besteuert und zwar sowohl auf Arbeitgeber- wie Arbeitnehmer- seite.

Der zweite Gedanke hinter dem finnischen Experiment lautet, dass die signifikante Mehrbelastung des Staats- haushalts, die durch die bedingungslose und flächendeckende Ausrichtung eines Fixbetrags entsteht, teilweise durch Einsparungen in der Verwaltung kompensiert werden könnte – indem nämlich zahlreiche Stellen, die mit der Bearbeitung von Gesuchen um Sozialhilfe ausgelastet sind, überflüssig würden. Hier wird der Pilotversuch jedoch keine Aufschlüsse bringen, denn die Verwaltung kann deswegen im jetzigen Zeitpunkt nicht abgebaut werden.



Das finnische Projekt ist damit klar auf Effizienzgewinne im öffentlichen Bereich und bessere Arbeitsmarkt-Partizipation ausgerichtet. Darin unterscheidet es sich von der Vorlage, die in der Schweiz vor gut einem Jahr zur Abstimmung kam und wo philosophisch-soziale Aspekte, etwa die Abfederung der Auswirkungen von Industrie-Automatisierung, stärker im Vordergrund standen.

Dass das finnische Experiment im Prinzip nicht mehr sei als der verdeckte Versuch einer Sparübung und keinen stärkeren Effort mache bei der Bekämpfung von Armut und Einkommensungleichheit, ist auch der Kritikpunkt zweier Analytiker der ökonomischen Denkfabrik Parecon Finland, die sich in einem scharf formulierten Artikel in der «New York Times» zu Wort meldeten. Zudem, wurde ins Feld geführt, sei die Teilnehmerzahl von ursprünglich 10 000 auf 2000 reduziert worden, was kaum mehr Schlüsse von statistischer Relevanz zulasse. Um gesellschaftliche Aussagekraft zu erlangen, müsse der Versuch ferner breitere Bevölkerungsschichten erfassen als bloss Arbeitslose. Unter Berufung auf eine OECD-Studie schrieben die beiden Kommentatoren auch, dass die gegenwärtige Höhe des bedingungslosen Grundeinkommens Armut eher verstärken als verringern würde.
...

Zu klein, zu eng und zu kurz: das sind die generellen Kritikpunkte der Beobachter an der Form des finnischen Pilotprojekts zum bedingungslosen Grundeinkommen. Es demonstriere in erster Linie, wie man es nicht machen solle. Eine offizielle Auswertung wird erst für das Jahr 2019 erwartet; in die laufende Testphase will die Sozialversicherungsanstalt Kela nicht mit Zwischenberichten eingreifen. 





Donnerstag, 17. August 2017

Donald Trump und die gesinnungsstarke Presse.



Der Skandal um Charlottesville ist ein Laborbeispiel für die Verlogenheit und Heuchelei, die das öffentliche Leben der USA beherrschen, und ein Beweis, dass sie so einen Präsidenten sich redlich verdient haben.

Trump sagt, was die Presse schreiben musste, und die Presse schreibt, was der Präsident hättte sagen sollen. Trump sagt, er halte sich nur an die Fakten. Zu den Fakten gehört allerdings, dass unter den Gegendemonstranten auch Antifa und Schwarzer Block gewesen sind. Wenn die zu einer Demonstration anreisen, dann nicht, um Lichterketten zu bilden und fromme Lieder zu singen. Die Nazis und KKK kamen bewaffnet, das wussten sie so gut wie jeder andere, und da ist es völlig egal, wer den ersten Faustschlag getan hat.

Das ist es, was die Presse schreiben musste, in ihrem Nachrichtenteil. In ihren Kommentaren durften sie dann hin- zufügen, was ihnen politisch richtig und korrekt vorkam. Das nämlich, was der Präsident der Vereinigten Staaten hätte sagen müssen: Politisch ist es nicht gleichgültig, wer dort wem gegenüberstand. Wenn Nazis und Rassisten in die Öffentlichkeit treten, ist jeder Bürger aufgerufen, sich ihnen in den Weg zu stellen, und wenn einige dabei hand- greiflich werden, ist das nur zu begreiflich. Das sind Feinde einer freiheitlichen und demokratischen Ordnung, es sind Gegner der Verfassung. Wenn man ihnen rechtlich den Auftritt in der Öffentlichkeit nicht verwehren kann, muss die Öffentlichkeit selber tun, was in ihrer Macht steht - in offener Auseinandersetzung.


Aber die wohlmeinende Presse merkt nicht, wie sehr sie auf ihn reinfällt. 

Zuerst sagt er, Gewalt sei von beiden Seiten ausgegangen. Die Entrüstung ist groß; freilich wieder nur bei denen, die sowieso entrüstet sind. Es hieß, er habe seinen äußersten rechten Rand nicht verprellen wollen. Dann sagt er, Nazis und Rassisten seien böse; weil es ihm seine Berater so dringend empfohlen hätten. Ein paar Tage später lässt er im Eifer des Gefechts sie Maske fallen und bekräftigt seine wahre Meinung. 

Aber vielleicht ist er gar kein Trottel, sondern schlauer, als die wohlmeinende Presse glaubt. Seine Anhägerschaft schrumpft, aber festigt sich dabei. Denen musste er Zucker geben, und das Geschrei war groß. Dann tritt er als Staatsmann auf, alle sind verblüfft. Zwei Tage später geht er in die Offensive: Die Presse habe die Fakten vertuscht, statt korrekt zu berichten. Dabei brauchte er seine öffentliche Verurteilung von Nazis und Rassisten nicht einmal zurückzunehmen und konnte doch der Lügenpresse eins auswischen. Er hat eine Defensive in einen Angriff verkehrt, und die Presse hat mitgespielt.

Auf diese Art haben Hillary und die Wohlmeinenden seine Präsidentschaft nicht verhindern können, und auf diese Art werden sie sie nicht abkürzen. Mit bloßer Stimmungsmache können sie ihm nicht beikommen, auf dem Feld ist er ihnen überlegen.

Doch in der Zwischenzeit wird Amerika nicht regiert.






Montag, 14. August 2017

Das neuhethitische Reich von Tayinat.


aus scinexx                                                           Die in Tayinat entdeckte Frauenstatue

Türkei: Monumentale Frauenstatue entdeckt
3.000 Jahre altes Standbild wirft neues Licht auf Stellung der Frau 

Ungewöhnlicher Fund: Archäologen haben in der Türkei eine 3.000 Jahre alte Frauenstatue entdeckt. Das fünf Meter große Standbild könnte die Frau eines neo-hethitischen Königs darstellen, vielleicht sogar die berühmte Gründerin einer royalen Dynastie. Der Fund wirft ein neues Licht auf die Stellung der Frau im eisenzeitlichen Nahen Osten: Frauen könnten eine prominentere Rolle bekleidet haben als bisher angenommen.

Die Gegend im Grenzbereich zwischen Syrien und der Türkei hat eine wechselvolle Geschichte. Denn ägyptische Pharaonen, Babylonier und Hethiter rangen jahrtausendelang um die Vormacht in diesem strategisch wichtigen Gebiet. Vor rund 3.2000 Jahren jedoch endete die Ära der großen Reiche und Hochkulturen abrupt: Ein Klimawechsel schwächte die Großmächte der Bronzezeit und ließ ihre Reiche zerfalle

Fund in neo-hethitischer Königsstadt

Ein neues Licht auf die Entwicklung nach diesem Einschnitt wirft nun ein Fund in Tayinat im Südosten der Türkei. Dort – rund 75 Kilometer westlich von Aleppo - lag von 1000 bis 738 vor Christus Kunulua, die Hauptstadt des neo-hethitischen Königreichs Patina. Der mächtigen Zitadelle dieser Stadt war ein monumentaler Torkomplex vorgelagert, der den Zugang zu den Wohnbereichen der Elite markierte.

In diesem Torkomplex haben Timothy Harrison von der University of Toronto und seine Kollegen jetzt die Fragmente einer ungewöhnlichen Statue entdeckt. "Die Statue wurde mit dem Gesicht nach unten in einem dicken Bett aus Basaltstücken entdeckt", berichtet Harrison. "Unter den Fragmenten waren Teile der Augen, der Nase und des Gesichts."

Fünf Meter großes Standbild

Als die Archäologen die Fragmente zusammensetzten, erwies sich der Fund als ein Teil eines Standbilds einer 3.000 Jahre alten, überlebensgroßen Frauenfigur. "Zu ihren beeindruckenden Merkmalen gehört ein Ring von Locken, der unter einem Schal hervorschaut, der ihren Kopf, die Schultern und den Rücken bedeckt", so der Archäologe.

Bisher haben die Archäologen nur den Kopf und Teile des Oberkörpers der aus Basalt gefertigten Statue gefunden. Sie schätzen, dass das gesamte Standbild einst vier bis fünf Meter hoch gewesen sein muss. Zusammen mit den Fragmenten dieser Statue fanden die Archäologen auch Teile anderer Skulpturen, darunter von Standbildern des neo-hethitischen Königs Suppiluliuma, der dieses Königreich im neunten Jahrhundert vor Christus regierte.

Göttin oder Königin?

Wer aber war die dargestellte Frau? Bisher können die Archäologen nur Vermutungen über ihre Identität anstellen: "Sie könnte ein Abbild von Kubaba, der Mutter der Götter im alten Anatolien darstellen", sagt Harrison. "Aber es gibt auch stilistische und ikonografische Hinweise darauf, dass dieses Standbild eine menschliche Figur repräsentiert. Vielleicht die Frau des Königs Suppiluliuma oder – noch spannender – eine Frau namens Kupapiyas."

Kupapiyas war die legendäre Frau von Taita, dem Dynastiegründer von Tayinat. Sie ist die bisher einzige Frau, die in Inschriften aus dieser Zeit erwähnt wird, wie die Archäologen berichten. Diesen Zeugnissen nach soll Kupapiyas mehr als 100 Jahre lang gelebt haben und eine machtvolle matriarchalische Persönlichkeit gewesen sein.






Sonntag, 13. August 2017

Der Urwald ist nicht unberührt.

aus derStandard.at, 12. August 2017, 19:00

Schon seit 45.000 Jahren verändert der Mensch die Wälder der Tropen
Die großen tropischen Waldflächen sind alles andere als unberührte, naturbelassene Lebensräume, wie eine aktuelle Studie zeigt

Jena – Lange Zeit kursierte die Ansicht, dass Tropenwälder bis zum Beginn der Industrialisierung unberührte Natur waren – doch das ist ein Irrtum, wie nun eine internationale Forschergruppe nachgewiesen hat. Tatsächlich haben menschliche Eingriffe diese Wälder bereits seit mindestens Zehntausenden Jahren verändern. Die umfassende Studie von Wissenschaftern des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte und ihren Kollegen konnten drei Phasen der menschlichen Einwirkung auf die Tropenwälder ausmachen: die Jäger- und Sammlerkultur, kleinbäuerliche Landwirtschaft und große urbane Siedlungen.Spuren, die auf bewusste Veränderungen des Ökosystems Wald hindeuten, gehen insbesondere in Südostasien bis zu 45.000 Jahre zurück. Damals wurden ganze Tropenwaldgebiete brandgerodet, um Tiere und Pflanzen zu begünstigen, die den Menschen damals als Nahrungsgrundlage dienten. Belege für ähnliche Aktivitäten gibt es auch in Australien und Neuguinea. Sofern der Mensch am Aussterben der Megafauna im Spätpleistozän (vor etwa 125.000 bis 12.000 Jahren) mitverantwortlich war, könnte auch dies erhebliche Auswirkungen gehabt haben, etwa auf die Vermehrung und Verbreitung von Pflanzen sowie auf den Baumbestand, was bis heute zu beobachten ist.

Früheste Landwirtschaft in Tropenwäldern

Die frühesten Nachweise für landwirtschaftliche Aktivitäten in Tropenwäldern wurden in Neuguinea gefunden. Dort haben Menschen Yamswurzeln, Taro-Knollen und Bananen bereits seit dem frühen bis mittleren Holozän vor etwa 10.000 Jahren angebaut. Durch die Domestizierung von Waldpflanzen wie Süßkartoffeln, Chili-Pfeffer, schwarzen Pfeffer, Mangos und Bananen, sowie Waldhühner und andere Waldtiere, wurden die Lebensräume der Wälder nachhaltig verändert und Essgewohnheiten bis in die heutige Zeit hinein beeinflusst.

Solange die Tropenwälder auf der Grundlage heimischer Pflanzen- und Tierarten bewirtschaftet wurden, führte dies im Allgemeinen nicht zu signifikanten oder dauerhaften Umweltschäden. Zu umweltschädigenden Effekten kam es erst, als die landwirtschaftliche Nutzung intensiver wurde und insbesondere externe landwirtschaftliche Arbeitsweisen in die Tropenwälder und Inseln einzogen. Als Bauern etwa vor rund 2.400 Jahren Perlhirse und Vieh in die Tropenwaldregionen West- und Zentralafrikas einführten, kam es infolge von Brandrodungen zu erheblichen Bodenerosionen. Ähnliche Entwicklungen fanden vor etwa 4.000 Jahren auch in Südostasien statt.

Dschungelstädte, die versorgt werden wollen

Herrschte bisher die Vorstellung, Tropenwälder seien "grüne Wüsten", die sich nicht als menschlicher Lebensraum eigneten, haben aktuelle Forschungen nun gegenteilige Erkenntnisse gebracht: So ist es Menschen schon sehr früh gelungen, dort riesige Siedlungen zu schaffen. Neue Daten, die unter anderem aus Kartierungen mit Hilfe von Lichtlaufzeitmessungen stammen, weisen auf menschliche Ansiedlungen in Amerika und Südostasien hin, die man zuvor nicht für möglich hielt. "Tatsächlich haben umfassende und vernetzte Siedlungen in den Tropenwäldern von Amazonien, Südostasien und Mittelamerika wohl um ein Vielfaches länger bestanden als bislang die industriellen und städtischen Ansiedlungen der modernen Welt", erläutert Patrick Roberts vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, Hauptautor der im Fachjournal "Nature Plants" veröffentlichten Studie.

Angkor aus dem All, der schwarze Rahmen markiert den Tempel Angkor Wat, das rechteckige Wasserbecken links davon ist das von den Forschern untersuchte Khmer-Reservoir West Baray.

Riesige städtische Ballungsräume standen schon damals und stehen heute wieder vor der Frage, wie die große Bevölkerung ernährt werden kann, also wie ein Agrarsystem geschaffen werden kann, ohne dass der Boden erodiert. Aus dem Umgang der alten urbanen Zentren mit diesen Herausforderungen lassen sich durchaus Lehren für die Gegenwart ziehen. In einigen Regionen der Maya haben städtische Siedler den Wald "gärtnerisch" bewirtschaftet, indem sie eine Vielzahl ergänzender Feldfrüchte in und rund um bestehende Waldflächen anpflanzten, statt diese zu roden. Andere Gruppen dagegen haben ihre lokale Umwelt durch Waldrodung und Monokulturpflanzen wie Mais übermäßig belastet, was in Kombination mit Klimaveränderungen zu dramatischen Bevölkerungsrückgängen führte.

Modelle für nachhaltige moderne Städte

Interessant ist auch die Entdeckung, dass alte Waldstädte dieselbe Zersiedlungstendenz aufwiesen, wie man sie von modernen Städten kennt. In einigen Fällen scheinen solche ausufernden städtischen Randgebiete als eine Art Pufferzone gedient zu haben, um die städtischen Zentren vor Klimaveränderungen zu schützen und eine sichere Versorgung mit bzw. den Zugang zu Nahrungsmitteln zu gewährleisten. "Eine breite Vielfalt, Dezentralisierung und landwirtschaftliche Aktivitäten innerhalb der Stadt haben wohl dazu beigetragen, dass die Städte insgesamt widerstandsfähig waren", erläutert Damian Evans von der École française d’Extrême-Orient die Erkenntnisse. Diese alten Waldvorstädte werden jetzt als mögliche Nachhaltigkeitsmodelle für moderne Städte untersucht. (red,)

Montag, 7. August 2017

Ist die digitale Revolution ist schon wieder zuende?

aus derStandard.at, 6. August 2017, 11:54

"Große Vorteile der Digitalisierung sind passé" 
Der Welt sind die Ideen ausgegangen, die das Wachstum beflügeln: Mit dieser Theorie provoziert der US-Ökonom Robert Gordon

Interview von

STANDARD: Der Juicero, die Saftpresse eines US-Start-ups, war 2016 das angesagte Investment im Silicon Valley. 120 Millionen Dollar steckten Finanziers in das Gerät mit dem Apple-Look. Doch dann wollte es kaum jemand haben. Produzieren sehr viele Start-ups nicht unnützes Zeug?

Robert Gordon: Das würde ich nicht sagen. Es gibt eine enorme Innovationsaktivität. Ständig entstehen neue Produkte, mit denen sich die Wohlfahrt der Konsumenten steigern lässt. Denken Sie an Unterhaltungselektronik, Virtual Reality. Es gibt laufend neue Messgeräte für irgendetwas, wie Fitness-Apps. Das Problem ist, dass diese Innovation die Produktivität von Unternehmen kaum steigen lässt.

STANDARD: In Ihrem Buch "The Rise and Fall of American Growth" schreiben Sie, dass der Welt die Ideen ausgegangen sind, mit denen sich Wirtschaftswachstum anfachen lässt. Was ist mit selbstfahrenden Lkws und Pkws?

Gordon: In der Zukunft werden sie eine Rolle spielen, doch das Wachstumspotenzial dieser Innovationen wird stark übertrieben dargestellt. Selbstfahrende Pkws mögen privat nützlich sein, werden aber keine Jobs schaffen und kein Wachstum generieren. Bei selbstfahrenden Lkws ist die Frage, ob die Fahrer ersetzbar werden. Das würde Produktivitätsgewinn bringen. Doch wird oft vergessen, dass Lkws nicht nur weite Distanzen zwischen Städten zurücklegen. Ein großer Teil des Frachtverkehrs findet innerhalb einer Stadt oder auf kurzen Wegen statt. Die Fahrer liefern etwas aus, Bier oder Brot, entladen Waren, schlichten sie ein. Diese Tätigkeiten kann man nicht mit selbstfahrender Technologie ersetzen.

STANDARD: Und was ist mit Robotern, 3D-Druckern?

Gordon: In der Industrie werden Roboter menschliche Arbeit zunehmend überflüssig machen. Es wäre nur ein Fehler zu denken, dass das ein neuer Trend wäre: Der erste Einsatz von Robotern in der Industrie war 1961 bei General Motors. Roboter sind in der Güterfertigung seit 20 Jahren verbreitet. Das Produktivitätswachstum in der US-Industrie war in den vergangenen zehn Jahren schwach: Das zeigt doch eher, dass der Anstieg des Automatisierungsgrades zuletzt verhalten war. Und 3D-Printer sind toll, um Prototypen zu erstellen. Aber es ist ein Nischenprodukt, das in der Massenfertigung von Waren keine große Rolle spielen wird.

STANDARD: Zwei Oxford-Ökonomen haben 2013 in einem Paper geschätzt, dass bis 2030 die Hälfte der Jobs in der westlichen Welt durch Technologiewandel wegfallen wird. Das glauben Sie also nicht?


Gordon: Diese Vorhersage entpuppt sich als völlig falsch. Allein in den USA wurden zuletzt über zwei Millionen neue Jobs im Jahr geschaffen. Das zeigt, dass die neuen Technologien Arbeitskraft eher ergänzen als ersetzen. In der Medizin gibt es Patientenakten meist nur mehr in elektronischer Form. Das macht die Arbeit von Ärzten und Krankenschwestern effizienter, sie werden aber nicht ersetzt. Bankomaten haben Mitarbeiter am Bankschalter nicht obsolet gemacht. Und wenn Sie morgen fliegen, nimmt immer noch ein Mensch Ihr Gepäck entgegen.

STANDARD: Könnten der Menschheit die größten Innovationen nicht erst bevorstehen.

Gordon: Ja klar, das kann sein, weswegen ich meine Prognosen nur auf die kommenden 25 Jahre beziehe. Da sehe ich keine Entwicklung am Horizont, die unser Leben ähnlich transformieren könnte, wie das die Erfindung der Elektrizität getan hat. Es gibt Kritiker, die meinen, ich würde falsch liegen, weil die großen Entdeckungen des späten 19. Jahrhunderts, der Verbrennungsmotor und Elektrizität, bis in die 1920er nicht in den Produktivitätsstatistiken sichtbar waren. Wir müssten warten, bis sich das Computerzeitalter niederschlägt. Das halte ich für falsch.

STANDARD: Warum?

Gordon: Das Computerzeitalter hat in den 1960ern mit Großrechnern begonnen, in den 80ern kamen die PCs. Der Erfolg von Computern und dem Internet war, dass papierbasierte Prozesse fast überall ersetzt wurden. Das hat sich auf die Produktivität ausgewirkt, und zwar in der Dekade ab 1995. Es gab also eine Verzögerung von 20 bis 30 Jahren. Inzwischen sind die großen Vorteile der Digitalisierung im Wirtschaftsleben passé.

STANDARD: Wäre es so schlimm, wenn die Produktivität und damit das Wirtschaftswachstum künftig nicht mehr so stark ausfällt?

Gordon: Langsameres Wachstum schafft Probleme, besonders in einer alternden Gesellschaft, wo viel Geld für Pensionen und die medizinische Versorgung benötigt wird. Weniger Wachstum macht es schwerer, ärmeren Menschen zu helfen. Wachstum ist wichtig – wir sollten nicht zufrieden mit dem sein, was wir haben.

STANDARD: Was sollte passieren, um die Produktivität zu steigern?

Gordon: In den USA müsste man bei den Grundlagen ansetzen, also in der Bildungspolitik für Ärmere. Sehr viele Kinder kommen bereits mit großen Sprachproblemen in die Schule. Wir brauchten mehr Vorschulprogramme, mehr Tutoren. Die Kindern gehören unterstützt, damit sie später zu fähigen Erwachsenen werden, die Geld verdienen können. Der positive Nebeneffekt wäre, dass diese Menschen einen stärkeren Beitrag zum Wachstum leisten könnten.

Robert Gordon (76) ist mit seinen Wachstumsthesen zum Shootingstar unter Ökonomen avanciert. Er forscht an der Northwestern University in Illinois.

  
Nota. - Was ist mit Wachstum ('Produktivitätszuwachs') hier und im gestrigen Beitrag gemeint? Nicht gemeint ist das, was der Volksmund darunter verstehen könnte: neue Gebrauchswerte, die das Leben schöner und bequemer machen. Gemeint ist, was der Ökonom darunter versteht: Zuwachs an Wert, der sich in Geld messen lässt. Es ist auch nicht gemeint der Neuwert, der von der Arbeit geschaffen wird. Gemeint ist der Zuwachs an Kapital, gemessen am eingesetzten Kapital. Und der sei in den vergangenen sechzig Jahren immer geringer geworden, und zwar im großen Durchschnitt. Die "globale Elite, Marktführer in ihrer Branche", mache heute erheblich größere Gewinne als in den vorangegagenen Jahrzehnten, doch "weltweit gibt es in 95 Prozent der Unternehmen kein Produktivitätswachstum mehr". Will sagen, die mageren Gewinne, die die große Mehrheit macht, sind nicht groß genug, um sie 'verwerten', nämlich gewinnbringend investieren zu können. Man kann sie nur ersatzweise 'auf die Bank tragen' - die sie verzockt, wo der Gewinn der einen der Verlust der anderen ist und unterm Strich nix rauskommt.

Was die Ökonomen hier beschreiben, sieht der Marx'schen Prognose vom Fall der Profitrate zum Verwechseln ähnlich: Die technologische Entwicklung führt dahin, dass immer mehr Kapital in der Maschinerie ('fixes Kapital') steckt und immer weniger für die lebendige Arbeit ausgegeben wird ('variables Kapital'). Es ist aber die Arbeit, die allein neuen Wert schafft, sie aber wird durch die Maschinerie fortschreitend überflüssig gemacht. Immer weniger Neuwert steht also immer größeren Kosten gegenüber, denn die Maschinen mussten ja erst einmal bezahlt werden. Nur die allergrößten Kapitale können sich nun Neuinvestitionen überhaupt noch leisten. Es kommt zu einem weiteren kräftigen Konzentrationsschub, der indes die Konkurrenz weiter verschärft und die technologische Umwälzung weiter beschleunigt.

Dass dies zu einem automatischen Zusammenbruch der kapitalistischen Wirtschaftsweise führt, hat Marx ausdrücklich nicht behauptet. Es kommt beim 'fixen Kapital' nämlich nicht auf das Material und seine Menge (=den Gebrauchswert) an, sondern wieder auf seinen Wert. Kriege, Krisen und ebensogut revolutionäre Techno- logien können den Maschinenpark über Nacht entwerten, und diejenigen Kapitalien, die das Erdbeben überleben, stehen wieder wie jungfräulich da. 

Will sagen, die kapitalistische Wirtschaftsweise ist nicht aus Begriffen entstanden und wird nicht an Begriffen zusammenbrechen. Die Begriffe sind nur dazu da, das, was historisch wirklich geschieht, verständlich zu machen. 

Oder anders gesagt - ob die digitale Revolution schon wieder zu Ende ist oder überhaupt erst richtig losgeht, lässt sich aus keinen theoretischen Gleichungen errechnen. Bemerkenswert ist immerhin, das Marx nun nicht mehr nur als Kritiker des Finanzkapitals, sondern offenbar auch als Analytiker der bürgerlichen Gesellschaftsordnung wieder aktuell wird.
JE